Antiandrogene Therapie

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Druckversion vom 09.02.2009
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Antiandrogene Therapie des Prostatakarzinoms

Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie

Das Prostatakarzinom ist primär ein hormonsensibler Tumor, d. h. die Zellen werden durch Hormone in ihrem Wachstum gefördert. Umgekehrt bedeutet dies, dass bei Erkrankung durch eine Hemmung der Hormonwirkung an den Tumorzellen ein Wachstumsstillstand erreicht werden kann. Hierzu stehen derzeit verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung. Ziel ist es, entweder den Testosteronspiegel zu senken oder die Wirkung des Testosterons an den Testosteronrezeptoren der Karzinomzellen zu unterbinden.

Zur Senkung des Testosteronspiegels kommen eine Entfernung beider Hoden (Orchiektomie) oder die Gabe sog. LHRH-Analoga, Goserelin und Leuprorelin (z. B. Zoladex®) infrage. LHRH-Analoga unterbrechen den Regelkreis zwischen Hirnanhangsdrüse und Hoden und senken damit die Testosteronproduktion um ca. 95 %. Da Testosteron jedoch auch außerhalb der Hoden in den Nebennieren gebildet wird, bleibt bei diesen beiden Therapien immer ein gewisser Testosteronspiegel erhalten, der auch auf die Rezeptoren wirken kann.

Dies ist der Grund für den Einsatz von sog. Antiandrogenen, die sich direkt an den Androgenrezeptor auf Zellen und insbesondere Tumorzellen binden. Eingesetzte Medikamente sind: das steroidale Antiandrogen Cyproteronacetat (Androcur®) sowie die nicht steroidalen Antiandrogene Bicalutamid (Casodex®) und Flutamid.

Als maximale Androgenblockade wird die Kombination von LHRH-Antagonist und Antiandrogen bezeichnet. Da bei der ersten Spritze eines LHRH-Analogons zunächst ein Anstieg des Testosterons vor der Hemmung erfolgt, wird zuerst mit einem Antiandrogen eine Rezeptorblockade durchgeführt.

Wird eine antiandrogene Therapie durchgeführt, so entwickeln sich nach unterschiedlich langer Zeit, meist nach einigen Monaten bis Jahren, Tumorzellen, die trotzdem weiterwachsen können, sogar in der Lage sind, das Antiandrogen als Wachstumsstimulus wahrzunehmen. In diesen Fällen kann durch Wechsel der antiandrogenen Therapie ein erneutes Ansprechen erreicht werden. Ist dies nicht erfolgreich, so müssen Strahlentherapie, der Einsatz einer Chemotherapie und ein symptomatisches Vorgehen diskutiert werden. Bei einigen Patienten führt auch das alleinige Weglassen des Medikaments zum (vorübergehenden) Ansprechen. Es gibt einige Daten, die darauf hindeuten, dass Bicalutamid weniger häufig bzw. weniger schnell zu einer Resistenz der Zellen führt als die anderen Antiandrogene.

Derzeit läuft eine Studie, an der auch wir teilnehmen, bei der Patienten nach der antiandrogenen Therapie vor einer Chemotherapie eine Kombination aus verschiedenen, den Stoffwechsel des Tumors hemmenden Substanzen erhalten. Diese Therapie ist gut verträglich und zeigt bei einigen Patienten ein sehr gutes Ansprechen.

Die antiandrogene Therapie wird z. B. bei der Erstdiagnose eines Prostatakarzinoms durchgeführt, wenn keine Möglichkeit zur Operation oder Strahlentherapie besteht, weil der Patient z. B. andere Erkrankungen hat, die eine Operation als zu hohes Risiko erscheinen lassen. Eine andere Indikation ist die Therapie bei einem Tumorrezidiv und von Metastasen, z. B. im Knochen.

Ergebnisse der EPC-Studie zeigen, dass auch nach kompletter Entfernung des Tumors im Rahmen einer Operation die sog. adjuvante Therapie mit Bicalutamid bei lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinomen nach Operation oder Bestrahlung zu einer Verminderung der Rezidivrate führt. Bei Patienten mit lokal begrenztem Tumor, die entweder operiert oder bestrahlt werden oder aufgrund gemeinsamer Therapieentscheidung nur beobachtet werden, führt die Gabe von Bicalutamid dagegen zu einer Verschlechterung der Prognose.

Nebenwirkungen der antiandrogenen Therapie sind: ein Anschwellen der Brustdrüse (Gynäkomastie), die auch schmerzhaft sein kann. Durch eine kurze, relativ niedrig dosierte und deshalb praktisch nebenwirkungsfreie Bestrahlung des Drüsengewebes kann dies verhindert werden. Durch die hormonelle Veränderung werden auch die Libido und die Potenz beeinflusst. Bicalutamid scheint auch hier gegenüber den anderen Medikamenten Vorteile zu haben.

Weitere Nebenwirkungen der antihormonellen Therapie sind, insbesondere bei LHRH-Analoga, die Entwicklung einer Osteoporose und bei allen Medikamenten das Auftreten von Hitzewallungen.

 

Stand 26.08.08

 



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