Habichtswaldklinik Kassel Bad-Wilhelmshöhe - Klinik für Onkologie Psychosomatik Innere Medizin Tinnitus Ayurveda Klinik für Ganzheitliche Rehabilitation
Druckversion vom 09.02.2009
URL: http://www.habichtswaldklinik.de/Onkologie/Magenkrebs.html
Habichtswald-Klinik Kassel
Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie
Der Magenkrebs ist für Männer die fünft-, für Frauen die sechsthäufigste Krebserkrankung in Deutschland. Er entsteht aus Schleimhautzellen des Magens und wächst von der Schleimhaut aus in die Magenwand ein.
Tumorentstehung
Es ist inzwischen gut nachgewiesen worden, dass bestimmte Nahrungsmittel vor Magenkrebs schützen können, andere offensichtlich eine Entartung fördern. Insbesondere Nitrosamine in der Nahrung ist seit Jahren ein bekannter Risikofaktor. Nitrosamine entstehen auch aus nitrathaltigen, z. B. geräucherten oder stark gesalzenen Speisen. Weitere Risikofaktoren sind Nikotin- und erhöhter Alkoholkonsum. Seit einigen Jahren wird das im Magen vieler Menschen lebende Bakterium Helicobacter pylori beschuldigt, neben chronischen Magengeschwüren auch Magenkrebs verursachen zu können. Wird eine solche Infektion festgestellt, so führt eine Antibiotikatherapie in der Regel zum Verschwinden des Keimes. Bei einer schon bestehenden Magenkrebserkrankung ist dies zur Therapie nicht ausreichend.
Im Magen kommen zwei weitere Arten von bösartigen Tumoren vor: Lymphome und gastrointestinale Stromatumoren (GIST), diese Erkrankungen werden in diesem Kapitel nicht besprochen, sie sind nicht mit dem Magenkarzinom verwandt und werden anders behandelt.
Symptome
Die Symptome des Magenkrebs sind oft wenig eindeutig: Unklare Oberbauchbeschwerden, Gewichtsabnahme und Schwäche sollten eine klärende Diagnostik herbeiführen. Dazu ist im Allgemeinen eine Magenspiegelung die aussagekräftigste Methode. Die Ultraschalluntersuchung durch die Bauchdecke ist zur Diagnose des Magenkrebs nicht geeignet, spezielle Ultraschallsonden, die im Rahmen einer Magenspiegelung „geschluckt“ werden (Endosonografie), klären die Eindringtiefe des Tumors und den Befall der benachbarten Lymphknoten.
Zur Vorbereitung der Therapie muss nach Sicherung der Diagnose festgestellt werden, welche Ausdehnung der Tumor hat. Neben dem Ultraschall kann hierzu ein CT hilfreich sein, manchmal führt erst eine Spiegelung der Bauchhöhle zum Ziel.
Feingewebliche Untersuchung und Stadieneinteilung
Die feingewebliche Untersuchung unterscheidet bei den Magenkarzinomen zwischen Adenokarzinomen mit den Untertypen papillär, tubulär, muzinös und Siegelringzellkarzinome, die insgesamt 95% ausmachen sowie den selten auftretenden adenosquamösen Karzinomen.
Häufig genannt wird die histologische Einteilung nach Lauren, die einen intestinalen Typ mit polypösem Wachstum und günstiger Prognose von einem diffusen Typ mit infiltrativem Wachstum und ungünstiger Prognose sowie einen Mischtyp, dessen klinisches Verhalten jedoch den Karzinomen vom diffusen Typ entspricht, unterscheidet.
Magenkarzinome können an verschiedener Stelle im Magen entstehen. Im Bereich des Mageneinganges liegen 10-20 % aller Karzinome, im Bereich des Magenkörpers 20-30% und im Bereich des sog. Magenantrums und des Magenpförtners 50-80%.
Ein besonders günstiges Stadium ist das sog. Magenfrühkarzinom. Hierbei handelt es sich um ein auf die Schleimhaut und die unmittelbar unter der Schleimhaut liegende Bindegewebsschicht beschränktes Magenkarzinom. Eine Lymphknotenmetastasierung ist jedoch auch in diesem Stadium möglich.
Die Stadieneinteilung des Magenkarzinoms erfolgt nach dem sog. TNM-System, wobei T für die Ausdehnung des Primärtumors, N für den Lymphknotenbefall (Nodus) und M für die Fernmetastasierung steht. Bei der Einteilung der T-Stadien wird nicht nach der unmittelbaren Größe des Tumors, sondern nach der Eindringtiefe der Tumorzellen in die Magenwand unterschieden.
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TIS |
Carcinoma in situ, Beschränkung des Tumors auf die oberste Schleimhautschicht |
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T1 |
Tumorzellen infiltrieren die tiefergelegenen Schleimhautanteile und das Bindegewebe unterhalb der Schleimhaut |
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T2 |
Der Tumor infiltriert die Muskelschicht der Magenwand und die darunterliegende Bindegewebsschicht |
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T3 |
Der Tumor infiltriert die Außenschicht des Magens |
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T4 |
Der Tumor infiltriert Nachbarorgane wie z. B. Dickdarm, Leber, Bauchspeicheldrüse, Zwerchfell, Milz |
Das TNM-System wird verfeinert durch die Angabe des sog. Gradings, eingeteilt in G1-G3, wobei G1 hoch differenzierten Karzinomen, G2 mäßig differenzierten Karzinomen und G3 gering differenzierten Karzinomen in der feingeweblichen Untersuchung entsprechen.
In der Stadieneinteilung nach AJCC aus dem Jahre 1997 werden verschiedene TNM-Stadien in die Stadien 0, I-IV eingeteilt.
Therapie
Über lange Jahre war die Operation das wichtigste Therapieverfahren bei der Behandlung von Magenkrebs. Diese sollte durch einen erfahrenen Operateur erfolgen. Da die Prognose des Magenkrebses entscheidend von der Ausdehnung des Tumors im Magen abhängt, ist der Zeitpunkt der Diagnose dieses Tumors der entscheidende Prognosefaktor. Derzeit ist diese Erkrankung nur durch eine vollständige operative Entfernung heilbar. Bei sehr frühen ganz oberflächlichen Tumoren sind auch endoskopische Therapien einsetzbar.
Ist bei Diagnosestellung eine Operation im Gesunden nicht möglich, so wird derzeit in Studien versucht, die Operabilität durch eine vorgeschaltete Chemotherapie zu erreichen.
Die neuesten Untersuchungen zeigen, dass eine vor der Operation durchgeführte Chemotherapie, die nach der Wundheilung noch fortgesetzt wird, bessere Behandlungsergebnisse zeigt, als die primäre Operation.
Deshalb sollte jeder Patient mit einem neu diagnostizierten Magenkrebs vor der Operation einem Onkologen vorgestellt werden.
Therapie in fortgeschrittenen Stadien
In fortgeschrittenen Stadien ist zu überlegen, ob eine Operation zur Linderung z. B. von Beschwerden und Wiederherstellung der Magenpassage sinnvoll ist.
In der Regel wird man dem Patienten in dieser Situation eine Chemotherapie anbieten, die aus einer Monotherapie mit dem Zytostatikum 5-FU oder einer Kombinationschemotherapie bestehen kann. Im Rahmen von Kombinationschemotherapien stehen erprobte klassische Protokolle zur Verfügung, zunehmend werden aber auch neue Chemotherapiesubstanzen eingesetzt, deren Wirksamkeit in Studien nachgewiesen werden konnte.
Nachsorge
Die Nachsorge des Patienten nach primärer Operation und eventueller adjuvanter Chemotherapie besteht in dreimonatlichen Kontrollen mit Anamneseerhebung, klinischer Untersuchung, Kontrollen von Laborwerten, ggf. von Tumormarkern, Röntgenuntersuchung der Lunge und Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes. Nach zwei Jahren können die Nachsorgeintervalle auf sechs Monate, später auf zwölf Monate verlängert werden.
Ein besonderes Augenmerk muss auf die Erholung des Wertes des roten Blutfarbstoffes (Hb) gelegt werden, da es nach Magenoperationen häufig zu Blutbildungsstörungen kommt. Für die Aufnahme von Vitamin B12 mit der Nahrung ist eine im Magen gebildete Substanz erforderlich, die nach totaler Magenentfernung fehlt. Deshalb muss nach Magenentfernung das Vitamin B12 etwa alle 3 Monate gespritzt werden. Auch die Substitution von Eisen und Bauchspeichelenzymen ist in der Regel erforderlich.
Angebot für Patienten mit Magenkarzinom in der Habichtswald-Klinik Kassel, Abteilung Onkologie
Patienten, die mit der ersten Diagnose oder einer Rezidivdiagnose konfrontiert werden, können sich im Rahmen unserer second opinion eine zweite Meinung einholen.
Im Rahmen eines stationären Aufenthaltes können Chemotherapien begonnen oder fortgeführt werden. In ausgewählten Fällen ist in Kooperation die Durchführung einer Strahlentherapie möglich.
Anschlussheilbehandlung und Rehabilitation
Als Bestandteile einer ganzheitlichen Abteilung tragen alle unsere therapeutischen Angebote gemeinsam zu der Wiedererlangung der Einheit von Körper, Geist und Seele bei.
Patienten, die zu einer Anschlussheilbehandlung im Rahmen einer Rehabilitation zu uns kommen, erfahren eine intensive Begleitung der Therapie, die zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit und Lebensqualität führen soll.
Im Rahmen der Behandlung eines Patienten mit Magenkrebs gibt es keine komplementäre Therapie, die die Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie ersetzen kann. Wir wissen aber, dass komplementäre Verfahren die Lebensqualität während und nach der schulmedizinischen Therapie erhöhen können.
Unter komplementären Verfahren verstehen wir gezielt eingesetzte Nahrungsergänzungsmittel, die Pflanzenheilkunde, z. B. zur Linderung von postoperativ auftretenden Hormonentzugssymptomen, zur Unterstützung von Entspannungsverfahren, zur natürlichen Beeinflussung von Ängsten und Depressionen.
Darüber hinaus hat es sich die Naturheilkunde zum Ziel gesetzt, das unter der Krebserkrankung und der Schulmedizin leidende Immunsystem zu stärken und in seinem Kampf gegen die Krebserkrankung zu unterstützen.
Ganzheitliche Medizin bedeutet für den Krebspatienten die Berücksichtigung aller Dimensionen des Lebens, also neben rein körperlichen Gesichtspunkten auch die geistigen und seelischen Aspekte.
Viele Therapieansätze aus der Ganzheitsmedizin zielen nicht direkt auf die Zerstörung des Tumors sondern auf die Stärkung der körpereigenen Kräfte und die die Förderung der Gesundung (Salutogenese).
Eine begleitende und wieder aufbauende psychologische Betreuung soll die Erfahrung der lebensbedrohlichen Erkrankung überwinden helfen und ein positives Gestalten der eigenen Zukunft ermöglichen. Speziell onkologisch erfahrene Psychotherapeuten begleiten unsere Patienten in Gruppentherapien und Einzeltherapien. Durch Einzeltherapien ist es möglich, nicht nur die unmittelbare Verarbeitung der Krebsdiagnose, sondern auch in der Lebensgeschichte der Patientin liegende Probleme zu thematisieren und gezielt zu bearbeiten.
Es gelingt so sogar für Patienten in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium, die Lebensqualität deutlich zu verbessern. Wir gehen davon aus, dass durch diese Verbesserung der Lebensqualität auch die körpereigenen Abwehrkräfte gestärkt werden.
Wesentlich tragen die Mitarbeiter der Krankengymnastik und der Bäder- und Massageabteilung dazu bei, dass der Patient körperliches Wohlbefinden
wiedererlangt. Im Rahmen der Krankengymnastik, Sporttherapie und in der Massage- und Bäderabteilung werden verschiedene Therapieformen eingesetzt, um gezielt die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern und wieder Zutrauen in den eigenen Körper zu finden und auch auf diesem Weg einen höhere Lebensqualität zu erreichen.
Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie. Es gibt keine gezielte Krebsdiät, die den Tumor beseitigen könnte, aber durch eine gesunde Ernährung kann viel zur Stärkung des Körpers beigetragen werden. Dabei muss die Krankheitsgeschichte des Patienten berücksichtigt werden. Deshalb bieten wir verschiedene Formen einer vollwertigen Ernährung und Vitalkost (ausgewogenen Form der Makrobiotik) aber auch alle medizinisch erforderlichen Diäten an. Darüber hinaus können Patienten in unserem Haus die ayurvedische Ernährung kennen lernen.
Das Hauptproblem von Patienten mit Magenkrebs nach der Operation ist es, mit dem (meist aus Darmteilen hergestellten, kleineren) Ersatzmagen zu Recht zu kommen: Oft sind nur sehr kleine Mahlzeiten möglich, es kommt leicht zu Übelkeit, und die oft lange anhaltende Appetitlosigkeit erschwert zusätzlich eine Gewichtszunahme.
Die Ernährungstherapie richtet sich nach den Bedürfnissen und Symptomen des Patienten. In der Regel ist es unter der Therapie oft auch schon im vorangehenden Krankheitsverlauf zu einer deutlichen Gewichtsabnahme gekommen. Patienten können nur noch kleine Mahlzeiten zu sich nehmen, oft kommt es zu Unverträglichkeiten von Milchprodukten, fetten Speisen, Abneigung gegen Fleisch, so dass, um eine ausgewogene Ernährung zu erreichen, spezielle Kostformen mit häufigen kleinen Mahlzeiten angeboten werden müssen.
Soweit erforderlich, kommen ergänzende Ernährungen in Form von Nahrungskonzentraten („Astronautenkost“) oder in Form einer Ernährung über die Venen in Frage. Auch eine komplette Ernährung über die Venen ist in unserem Hause möglich.
Bei der Diagnose Krebs taucht bei vielen Patienten die Frage nach dem Sinn auf. Hier bietet unsere Klinik einzigartige Möglichkeiten, auf freiwilliger Basis verschiedene Angebote zu nutzen, um sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Hierzu gehören vorbereitend Entspannungsverfahren und ein nicht konfessionell gebundenes spirituelles Angebot von Meditationen über Sakralen Tanz zum gemeinsamen Singen.
Wesentlich zur Wiedererlangung der eigenen Kräfte und Freude am eigenen Schaffen ist die freiwillige Teilnahme am kreativen Angebot.
Patienten, die mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen in unser Haus kommen, werden umfassend und vertrauensvoll über das für und wider jedes Behandlungsschrittes sorgfältig in Gespräch zwischen Arzt und Patient aufgeklärt.
Stand 27.06.07