Habichtswaldklinik Kassel Bad-Wilhelmshöhe - Klinik für Onkologie Psychosomatik Innere Medizin Tinnitus Ayurveda Klinik für Ganzheitliche Rehabilitation
Druckversion vom 09.02.2009
URL: http://www.habichtswaldklinik.de/Onkologie/Malignes_Melanom.html
Habichtswald-Klinik Kassel
Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie
Das Maligne Melanom ist ein in Deutschland noch seltener Krebs, der jedoch zunehmend häufiger auftritt. Risikofaktoren sind ein heller Hauttyp, Sonnenexposition, insbesondere in der Jugend vermehrte Sonnenbrände sowie sog. dysplastische Muttermale.
Melanome können im Bereich der Haut, seltener der Schleimhäute oder der Aderhaut im Auge auftreten.
Feingewebliche Untersuchung und Stadienverteilung
Melanome gehen von den pigmentbildenden Hautzellen aus. Sie werden unterschieden in ein oberflächlich sich ausbreitendes (superfiziell spreitendes) Melanom, eine knotenförmig wachsende Form (noduläres Melanom), eine an den Spitzen der Finger oder Zehen auftretende Form (acrolentiginöses Melanom) sowie die sog. Lentigo maligna.
Die Stadieneinteilung erfolgt in verschiedenen Systemen.
Nach Breslow wird die Tumordicke unterschieden:
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I |
< 0,75 mm |
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II |
0,76-1,5 mm |
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III |
1,51-4,0 mm |
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IV |
> 4 mm |
Nach Clark die Eindringtiefe:
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I |
oberflächliches sog. in-situ-Melanom |
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II-IV |
die verschiedenen Hautschichten durchsetzendes Melanom |
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V |
die Unterhaut betreffendes Melanom |
Im TNM-System steht T für die Tumordicke und Eindringtiefe (stellt also eine Kombination aus der Einteilung nach Breslow und Clark dar), N steht für den Lymphknotenbefall (nodur) und M für eine Fernmetastasierung.
Darüber hinaus gibt es noch eine Stadieneinteilung nach der Amerikanischen AJCC, ebenfalls unterschieden in Ia, Ib, IIa, IIb, III und IV. Diese Einteilung ist vor wenigen Jahren geändert worden, so dass in der Literatur oder Arztbriefen zu beachten ist, aus welchem Jahr der Text stammt.
Symptome
Melanome treten als asymmetrische unscharf begrenzte Flecken auf, sie sind in der Regel hellbraun bis schwarz, können aber auch nicht pigmentiert erscheinen. Gelegentlich sind sie blutend, juckend oder geschwürartig wachsend.
Unterscheidungskriterien zu einem normalen Muttermal werden nach der ABCDE-Regel zusammengefasst. Hierbei steht für A für Asymmetrie, B für Begrenzung, C für inhomogene Farbe (colour), D für Durchmesser > 5 mm und E für Größenzunahme (enlargement) oder Erhabenheit.
Diagnose
Die Diagnose des Melanoms wird in der Regel durch den Hautarzt bei der Untersuchung der gesamten Haut, also am komplett entkleideten Patienten gestellt. Es stehen besondere mikroskopische Techniken zur Verfügung, die bei dieser Untersuchung am Patienten angewandt werden können und die Diagnosesicherheit wesentlich erhöhen.
Im Zweifelsfall muss der komplette verdächtige Knoten entfernt werden und feingeweblich untersucht werden. Außerdem ist die Untersuchung der zugehörigen Lymphknoten bei der Erstdiagnose eines Melanoms erforderlich. Hier wird in den meisten Fällen heutzutage die sog. Wächterlymphknotentechnik (sentinel-node-biopsy) angewandt.
Gegebenenfalls muss die Diagnose unterstützt werden durch die Fahndung nach Fernmetastasen mittels Ultraschalluntersuchungen, Röntgenuntersuchungen, evtl. auch Computertomographien oder Kernspintomographien.
Therapie
Im Stadium T1-2 N0-2 M0 wird die Operation mit einem ausreichenden Sicherheitsabstand durchgeführt. Im Stadium T3-4 N0 reicht ebenfalls die Operation. Eine anschließende Immuntherapie mit Interferon und/oder Interleukin senkt die Rezidivrate.
Im Stadium T3-4 N1 erfolgt die Operation mit Lymphknotenentfernung und auch hier die anschließende Immuntherapie.
In metastasierten Erkrankungsstadien muss gemeinsam mit dem Patienten entschieden werden, ob eine Chemotherapie, eine Chemo-Immuntherapie oder im Rahmen von Studien auch Tumorimpfungen oder die Anwendung von Dendritischen Zellen sinnvoll ist.
Immun- und Chemotherapie
Wirksame Chemotherapeutika bei Melanom sind: Dakarbazin, Temozolomid, Cisplatin, BCNU, CCNU, Fotemustin, Vinblastin, Ifosfamid und Melphalan. Die Immuntherapie wird meist mit Interferon durchgeführt. Hierbei existieren genau wie bei der Chemotherapie verschiedene Protokolle, bei deren unterschiedlichen Dosierungen und zeitlichen Anwendungen eine auf das Erkrankungsstadium des Patienten und die individuelle Verträglichkeit ausgelegte Therapie erfolgen sollte.
Die Nebenwirkungen der Immuntherapie mit Interferon bestehen in grippeähnlichen Symptomen, welche in vielen Fällen erfolgreich mit Paracetamol behandelt werden können. Außerdem kann den Patienten Erleichterung verschafft werden, indem die Injektionen in die Abendstunden verlegt werden, so dass die Nebenwirkungen in die nächtliche Schlafphase fallen. Bei einigen Patienten kommt es zu psychischen Nebenwirkungen in Form von Depressionen, auch hier kann eine gezielte Therapie erfolgen.
Neu entwickelte Interferonformen (sog. pegyliertes Interferon) soll eine bessere individuelle Verträglichkeit aufweisen.
In ausgewählten Fällen kann die Operation einzelner Metastasen den weiteren Krankheitsverlauf zum Teil für viele Monate oder Jahre zurückdrängen. Eine besondere Behandlungsform stellt die Chemotherapie mit Hyperthermie dar.
Bei den regionalen hyperthermen Extremitätenperfusionen wird bei fortschreitenden Melanomen im Bereich einer Extremität der Blutkreislauf für eine kurze Zeit aus dem normalen Körperkreislauf ausgeschaltet und eine Chemotherapie unter Überwärmungsbedingungen durchgeführt. Diese Therapieform ist nur unter Intensivstationsbedingungen möglich.
Aktuell beschäftigt sich die Forschung mit der Frage, ob zur Vermeidung des Rückfallrisikos oder bei eingetretener Metastasierung eine gezielte Aktivierung des Immunsystems in Form der Tumorimpfung oder mit der Gabe von speziellen Immunzellen (sog. Dendritische Zellen) wirksam ist. Erste Ergebnisse zeigen, dass dies ein interessanter Ansatz ist. Diese Therapie sollte auf jeden Fall in Studien an spezialisierten Zentren durchgeführt werden.
Nachsorge
Nach erfolgreicher primärer Therapie eines Melanoms erfolgt im ersten und zweiten Jahr eine klinische Untersuchung alle 3 Monate incl. Röntgenuntersuchung der Brustorgane und Ultraschall alle 6 Monate, ab dem 3. Jahr können die Untersuchungsintervalle auf 6 Monate und Röntgen- und Ultraschall alle 12 Monate erweitert werden.
Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit Melanomen in der Habichtswald-Klinik Kassel
Patienten mit einem Melanom können jederzeit im Rahmen der second opinion in unserer Klinik beraten werden.
Im Rahmen einer fortschreitenden Erkrankung können Chemotherapien und auch Immuntherapien durchgeführt werden.
Anschlussheilbehandlung und Rehabilitation für Melanompatienten
Als Bestandteile einer ganzheitlichen Abteilung tragen alle unsere therapeutischen Angebote gemeinsam zu der Wiedererlangung der Einheit von Körper, Geist und Seele bei.
Patienten, die zu einer Anschlussheilbehandlung im Rahmen einer Rehabilitation zu uns kommen, erfahren eine intensive Begleitung der Therapie, die zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit und Lebensqualität führen soll.
Wird ein Melanom frühzeitig erkannt, so besteht eine exzellente Aussicht auf eine Heilung durch die Operation. Auch für diese Patienten kann jedoch die erste Diagnose einer Krebserkrankung eine erhebliche psychische Belastung bedeuten, so dass eine intensive psycho-onkologische Begleitung in unserem Haus die Neuorientierung auf die eigene Zukunft, auf die berufliche, familiäre und private Situation ermöglicht.
Nur in seltenen Fällen kommt es bei modernen Operationstechniken zu nach der Operation anhaltenden körperlichen Einschränkungen, z. B. durch Ausbildung von Lymphödemen oder durch die Beweglichkeit einschränkende Narben.
In diesen Fällen kann eine gezielte Krankengymnastik bzw. Lymphdrainagebehandlung wesentliche Erleichterung bringen.
Im Rahmen der Krankengymnastik, Sporttherapie und in der Massage- und Bäderabteilung werden verschiedene Therapieformen eingesetzt, um gezielt die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern und wieder Zutrauen in den eigenen Körper zu finden und auch auf diesem Weg einen höhere Lebensqualität zu erreichen.
Patienten mit einer fortschreitenden Melanomerkrankung können durch wiederholte Therapiemaßnahmen wie oben dargestellt bessere Überlebenszeiten mit ihrer Krebserkrankung erreichen als noch vor einigen Jahren üblich.
Hierbei kann es jedoch zu z. T. wiederholten operativen Eingriffen kommen, so dass die Rehabilitation sich an den individuellen Bedürfnissen des Patienten ausrichten muss.
Durch Chemotherapien, aber auch langfristig durchgeführte Immuntherapien kann es auf dem Boden der Nebenwirkungen trotz einer Verzögerung des Fortschreitens der Erkrankung zu Einbußen der Lebensqualität kommen.
Ein besonderer Schwerpunkt der Habichtswald-Klinik ist es, diese Nebenwirkungen der Therapien durch individuell ausgewählte Begleitmaßnahmen und intensive Aufklärung des Patienten zu lindern und so eine Integration in seinen persönlichen Lebensbereich zu ermöglichen.
Einige Folgeerscheinungen der Melanomerkrankung und Nebenwirkungen der Therapie können durch gezielte naturheilkundliche Verfahren bekämpft werden.
Unter komplementären Verfahren verstehen wir gezielt eingesetzte Nahrungsergänzungsmittel, die Pflanzenheilkunde, z. B. zur Linderung von postoperativ auftretenden Hormonentzugssymptomen, zur Unterstützung von Entspannungsverfahren, zur natürlichen Beeinflussung von Ängsten und Depressionen.
Der Wunsch vieler Patienten, die Krebserkrankung selbst durch naturheilkundliche Maßnahmen zu bekämpfen, ist verständlich, muss jedoch sehr differenziert betrachtet werden, da zum Beispiel die sonst bei Krebserkrankungen häufig angewendete Misteltherapie beim Melanom nach aktuellen Studien eher negative Auswirkungen hat. Umso wichtiger ist uns eine intensive und individuelle Aufklärung des Patienten unter ganzheitlichen Gesichtspunkten.
Ganzheitliche Medizin bedeutet für den Krebspatienten die Berücksichtigung aller Dimensionen des Lebens, also neben rein körperlichen Gesichtspunkten auch die geistigen und seelischen Aspekte.
Viele Therapieansätze aus der Ganzheitsmedizin zielen nicht direkt auf die Zerstörung des Tumors sondern auf die Stärkung der körpereigenen Kräfte und die die Förderung der Gesundung (Salutogenese).
Eine begleitende und wieder aufbauende psychologische Betreuung soll die Erfahrung der lebensbedrohlichen Erkrankung überwinden helfen und ein positives Gestalten der eigenen Zukunft ermöglichen. Speziell onkologisch erfahrene Psychotherapeuten begleiten unsere Patienten in Gruppentherapien und Einzeltherapien. Durch Einzeltherapien ist es möglich, nicht nur die unmittelbare Verarbeitung der Krebsdiagnose, sondern auch in der Lebensgeschichte der Patientin liegende Probleme zu thematisieren und gezielt zu bearbeiten.
Es gelingt so sogar für Patienten in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium, die Lebensqualität deutlich zu verbessern. Wir gehen davon aus, dass durch diese Verbesserung der Lebensqualität auch die körpereigenen Abwehrkräfte gestärkt werden.
Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie. Es gibt keine gezielte Krebsdiät, die den Tumor beseitigen könnte, aber durch eine gesunde Ernährung kann viel zur Stärkung des Körpers beigetragen werden, Dabei muss die Krankheitsgeschichte des Patienten berücksichtigt werden. Deshalb bieten wir verschiedene Formen einer vollwertigen Ernährung und Vitalkost (ausgewogenen Form der Makrobiotik) aber auch alle medizinisch erforderlichen Diäten an. Darüber hinaus können Patienten in unserem Haus die ayurvedische Ernährung kennen lernen.
Bei der Diagnose Krebs taucht bei vielen Patienten die Frage nach dem Sinn auf. Hier bietet unsere Klinik einzigartige Möglichkeiten, auf freiwilliger Basis verschiedene Angebote zu nutzen, um sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Hierzu gehören vorbereitend Entspannungsverfahren und ein nicht konfessionell gebundenes spirituelles Angebot von Meditationen über Sakralen Tanz zum gemeinsamen Singen.
Wesentlich zur Wiedererlangung der eigenen Kräfte und Freude am eigenen Schaffen ist die freiwillige Teilnahme am kreativen Angebot.
Patienten, die mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen in unser Haus kommen, werden umfassend und vertrauensvoll über das für und wider jedes Behandlungsschrittes sorgfältig in Gespräch zwischen Arzt und Patient aufgeklärt.
Die Behandlung von Schmerzen ist ein vorrangiges Ziel einer interdisziplinären Sichtweise von Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und Psychologen.
Stand 26.08.08