Disseminierte Tumorzellen

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Druckversion vom 09.02.2009
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Disseminierte Tumorzellen

Jutta Hübner, Chefärztin der Abteilung Onkologie der  Habichtswald-Klinik Kassel, Wigandstr. 1, 34131 Kassel

Disseminierte Tumorzellen sind einzelne Zellen aus dem primären Tumor, die entweder im Knochenmark oder im Blut nachweisbar sind. Im Blut werden sie auch als zirkulierende Tumorzellen bezeichnet.

Der Nachweis von disseminierten Tumorzellen erfolgt aus dem Blut mit Blutabnahme, aus dem Knochenmark durch Punktion des Markes im Bereich der Beckenkämme unter örtlicher Betäubung.

Das Blut muß zentrifugiert werden, so dass sich die Zellen im Bodenbereich des Reagenzglases anreichern.

Wichtig ist es dann, die Tumorzellen von den anderen im Blut bzw. Knochenmark vorkommenden Zellen zu unterscheiden. Hierzu wird eine spezielle Färbung genutzt, die die Zellen unter dem Mikroskop sichtbar macht. Farbstoffe reichern sich auf Zellen an, die Marker von sogenannten Epithelzellen haben.

Die Karzinomzellen sind entartete Oberflächenzellen von Haut- oder Schleimhäuten sowie Drüsen. Aus diesem Grund besteht eine hohe Verwechselungsmöglichkeit bei alleiniger Verwendung dieser Färbemethode. Nur die gleichzeitige Beobachtung der Zelle unter dem Mikroskop und ggf. weitere spezielle Untersuchungen erlauben es, unter den vielen im Präparat vorhandenen Zellen die einzelne Tumorzelle mit einiger Sicherheit zu identifizieren.

Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass zumindestens für einige Tumorarten der Nachweis von disseminierten Tumorzellen im Knochenmark oder zirkulierenden Tumorzellen im Blut ein Hinweis auf eine schlechte Prognose der Patienten ist. Dies ist auch logisch einleuchtend, da diese Zellen wahrscheinlich Ausdruck der stattgehabten Streuung des Tumors sind.

Weitere Untersuchungen zeigen, dass sich die disseminierten Tumorzellen zum Teil in ihren Eigenschaften von den ursprünglichen Tumorzellen unterscheiden. Möglicherweise trägt dies auch dazu bei, dass diese Zellen trotz laufender Therapie in einigen Fällen überleben können und dann später zu einem Rezidiv führen.

Noch unklar ist, ob der Nachweis von disseminierten Tumorzellen dazu genutzt werden sollte, eine laufende Therapie zu verändern.

Weitergehende Forschungen untersuchen, ob aufbauend auf den neuen nachgewiesenen Eigenschaften der disseminierten Tumorzellen auch spezielle Therapiestrategien entwickeln kann.

So weisen z. B. einige Tumorzellen Rezeptoren für Antikörper auf, wie für HerceptinR oder PanorexR, die auf dem ursprünglichen Tumor nicht nachweisbar sind.

Eine interessante Beobachtung ist, dass viele der disseminierten Tumorzellen relativ wenig Moleküle enthalten, die auf eine Zellteilung hinweisen. Dies könnte eine Erklärung dafür sein, dass diese Zelle durch die übliche Chemotherapie nicht angegriffen werden, da Chemotherapie insbesondere teilungsaktive Zellen hemmen.

Vor der Auswertung weiterer Untersuchungen ist es für Patienten nicht empfehlenswert, die Untersuchungen auf disseminierte Tumorzellen  auf eigene Kosten durchführen zu lassen, da wir noch keinerlei Hinweise haben, wie wir diese  Information in eine Therapie umsetzen. Es ist keineswegs so, dass alle Patienten, bei denen zirkulierende oder disseminierte Tumorzellen nachgewiesen werden, ein Rezidiv erleiden. Aus diesem Grund ist es nicht sinnvoll, allein auf diesem Befund eine Therapie aufzubauen.

Allein das Wissen um den Tumorzellnachweis deshalb für die Patienten auch eine erhebliche psychische Belastung darstellen.

 

 

Stand 26.08.08




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