Pflanzenheilkunde

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Druckversion vom 09.02.2009
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Pflanzenheilkunde für die Eigenbehandlung einfacher Beschwerden

Habichtswald-Klinik Kassel

 

Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie

 

 

Einleitung

Selbstmedikationen sollten ohne Hinzuziehung des Arztes nur bei bekannten Krankheitserscheinungen und für einen begrenzten Zeitraum durchgeführt werden, um die Verschleppung einer evtl. bestehenden ernsthaften Erkrankung zu verhindern.

Auch bei pflanzlichen Medikamenten, z. B. in Form von Tees, sind Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten nicht auszuschließen, so dass im Zweifelsfall der Arzt konsultiert werden sollte.

Teezubereitungen entstehen aus Pflanzenteilen durch Überbrühen oder Abkochen. Ätherische Öle dürfen nur überbrüht werden und müssen abgedeckt ziehen.

Man unterscheidet bei Teezubereitungen Monosubstanzen und Gemische, bei denen aufeinander inhaltlicht abgestimmte Drogen mit ähnlicher oder sich ergänzender Wirkung zum Einsatz kommen.

 

Inhaltsstoffe von Pflanzendrogen

Beispielhaft seien hier einige Inhaltsstoffe aufgeführt:

§         Alkaloide - wirken hauptsächlich auf das zentrale Nervensystem

 

 

Pflanzliche Wirkstoffe am Verdauungstrakt

 

Mund-Rachen-Raum

 

Salbei enthält ätherisches Öl und Gerbstoffe, wirkt antientzündlich und kommt bei Erkältungen aber auch zum Schutz der Schleimhäute unter einer Chemotherapie zum Einsatz in Form von Teezubereitungen, aber auch käuflich erhältlichen Lösungen.

Kamille enthält ätherische Öle, wirkt antientzündlich und hat eine beruhigende Wirkung auf die Schleimhäute. Kamille findet als Tee oder fertige Lösung Verwendung.

Arnika wirkt antientzündlich und verbessert die lokale Abwehr, eine allergische Reaktion ist jedoch möglich. Bei äußerlichen Anwendungen wird Arnikatinktur ca. 10-fach verdünnt angewandt.

Isländisch Moos und Eibischwurzeln sind Schleimdrogen, die eine beruhigende Wirkung auf die Schleimhäute, vor allen Dingen im Mund-Rachenbereich entfalten und bei grippalen Infekten als Lutschpastillen verwendet werden.

 

 

Magen-Darm-Trakt

Bei Appetitlosigkeit können Bitterstoffdrogen eingesetzt werden. Sie wirken magentonisierend und sekretionsfördernd. Beliebte Pflanzen sind Enzian, Tausendgüldenkraut, Wermut und Pfefferminze. Die Einnahme sollte ca. 30 Minuten vor dem Essen erfolgen.

Bei Verdauungsstörungen kommen Pflanzen zum Einsatz, die den Gallenfluss fördern und Blähungen vermindern. Hierzu zählen Anis, Fenchel, Kümmel, javanische Gelbwurz, Löwenzahn und Kalmus.

Bei Magenbeschwerden im Sinne einer leichten Magenschleimhautentzündung können Kamille und Süßholz (Lakritze) eingesetzt werden. Sie wirken entzündungshemmend und krampf-
lösend. Ein gutes Mittel gegen zu hohe Magensäure ist Angurate-Tee. Bei nervösen Magenbeschwerden kann auch Melisse eingesetzt werden. Wichtig ist hier die rechtzeitige Konsultation des Arztes und Abklärung der Beschwerden mittels Magenspiegelung.

Teemischungen bei Verdauungsstörungen und Blähungen setzen sich aus Anis, Fenchel und Kümmel, bei Magenbeschwerden zusätzlich aus Kamille und Pfefferminze zusammen.

Fertigpräparate sind z. B. Iberogast® (Kamille, Kümmel, Mariendistel, Melisse, Pfefferminze, Schöllkraut, Süßholzwurzel) und Carminativum Hetterich® (Kamille, Pfefferminze, Fenchel, Kümmel, Pomeranze).

 

Durchfallerkrankungen

Gehen Durchfall helfen getrocknete Heidelbeeren als Abkochung.

Ein industriell verfügbares Adsorbens sind indische Flohsamenschalen (Mucofalk®). Der Vorteil dieses Präparates ist, dass es nicht zu einer Verstopfung führt, sondern bei Verstopfung abführende Wirkungen entfalten kann. Ein bekanntes Mittel aus dem naturheilkundlichen Bereich sind Pektine in Form von z. B. geriebenem Apfel. Pektine sind auch als Pulver erhältlich.

 

 

Verstopfung

Bekannt sind Leinsamenzubereitungen oder indischer Flohsamen.

In vielen Mischpräparaten sind allerdings Anthranoiddrogen enthalten (Aloe, Sennesfrüchte), die bei längerfristiger Einnahme zu einer Schädigung der Darmschleimhaut führen können. Gleiches gilt für die Faulbaumrinde.

 

Leberfunktionsstörungen

Das bekannteste naturheilkundliche Mittel ist die Mariendistel (Wirkstoff Silymarin). Nachgewiesenermaßen stabilisiert Silymarin die Zellmembran der Leberzelle.

Vorwiegend gallesekretionsfördernd, aber auch sehr gut cholesterinsenkend wirken Artischockenpräparate.

 

 

Gallenwege

Eine beruhigende Wirkung auf die Gallenwege haben Löwenzahn, Artischocken und Pfefferminzpräparate. Schöllkraut wurde ebenfalls früher in dieser Indikation eingesetzt, ist jedoch mittlerweile umstritten, da vereinzelt lebertoxische Reaktionen gesehen wurden.

Pflanzliche Wirkstoffe an den Atmungsorganen

 

Erkältungskrankheiten

Zur Stimulation der Immunabwehr bei Infekten bzw. zur Prophylaxe können Sonnenhut-Präparate in Tropfenform oder als Kps. eingesetzt werden. Injektionen und Infusionen sind aufgrund einer möglichen allergischen Reaktion kontraindiziert. Zur Verfügung stehen zwei Pflanzen: Echinacea purpura ist zugelassen zur Prophylaxe bei wiederholten Infekten, Echinacea pallida zur begleitenden Behandlung eines grippalen Infekte. In Kombinationspräparaten finden sich oft Beimischungen der ebenfalls immunstimulierenden Pflanze Thuja.

Als schweißtreibende Tees bieten sich Holunder- oder Lindenblüten an.

Bei Schnupfen empfiehlt sich eine Inhalation mit einer Kamillenlösung (Teezubereitung oder Kamillosan und ähnliches).

Zum Abhusten sich sogenannte Expektoranzien eingesetzt, die die Sekretolyse mit ätherischen Ölen (Eukalyptus, Pfefferminze, Anis, Myrte, Thymian, Primeln, Efeu) fördern.

Erhältliche Fertigpräparate sind Sinupret® (Enzian, Primel, Holunder, ...), Gelomyrtol forte® (Myrte) sowie Salviathymol® (Salbei, Eukalyptus, Pfefferminze, Zimt, Nelke, Fenchel, Anis, Menthol und Thymol).

 

 

Pflanzliche Wirkstoffe am Urogenitaltrakt

 

Wassertreibende Medikamente

Wassertreibend sind Birkenblätter, Brennesselblätter und Beerentraubenblätter sowie Wacholderbeeren, letztere sollten jedoch nicht bei Nierenschädigungen angewandt werden.

In den meisten Teepräparaten findet sich eine Mischung dieser Substanzen. Die medizinische Wirkung wird wahrscheinlich zum Teil über den hohen Kaliumgehalt erreicht.

Ebenfalls wassertreibend wirkt Spargelwasser.

 

 

Blasenentzündung

 

Bärentraubenblätter entwickeln eine antibakterielle Wirkung, als Tee führen sie zusätzlich zu einer vermehrten Durchspülung. 

Ein kommerziell erhältliches Mischpräparat ist Cystinol® aus Bärentrauben- und Birkenblättern, Schachtelhalm und Goldrutenkraut.

Berichte aus den USA zeigen außerdem eine gute präventive Wirkung von Cranberries oder Cranberry-Extrakt.

 

 

Prostatahyperplasie

Einige pflanzliche Präparate können eine gutartige Vergrößerung der Prostata positiv beein-
flussen. Hierbei handelt es sich um die Sägezahnpalme, welche sogenannte Phytosterole, also pflanzliche hormonähnliche Substanzen enthält, die neben der antientzündlichen Wirkung den Wachstumsreiz des körpereigenen Testosterons blockieren. Kürbiskerne haben wie die Sägezahnpalme eine kombinierte antientzündliche und antihormonelle Wirkung, auch Brennesselextrakt wirkt antientzündlich (s. u.).

 

 

Pflanzliche Wirkstoffe bei rheumatischen Krankheitsbildern

Bestimmte Pflanzeninhaltsstoffe hemmen die Synthese von Leukotrienen und Prostaglandinen und wirken dadurch antientzündlich. Hierzu gehören Brennessel, Teufelskralle, Weide, Weihrauch und Wacholder. Lokal antientzündlich und gleichzeitig durchblutungsfördernd wirken Kohlblätter (Wickel), Senfmehl (Auflagen) sowie Capsaicin (Inhaltsstoff des Pfeffers), kommerziell als Salbe oder Pflaster erhältlich. Zum Einnehmen gibt es neben den Einzelsub-
stanzen auch das Kombinationspräparat Phytodolor®.

 

 

Pflanzliche Wirkstoffe bei Schlafstörungen

Hier haben sich Baldrian, Hopfen, Melisse und Lavendel auch in medizinisch-klinischen Studien bewährt. Häufig kommen Kombinationen zum Einsatz. Anwendungen erfolgen in Form von
Bädern, Fußbädern, Tee sowie Tabletten/Tropfen.

 

 

Pflanzliche Wirkstoffe bei Depressionen

Nachgewiesenermaßen wirkt Johanniskraut antidepressiv. Wichtig ist eine ausreichende Dosierung mit 2-3 x 300 mg Hyperforin, dem Hauptinhaltsstoff. Hyperforin hemmt die Aufnahme von Botenstoffen (Serotonin, Adrenalin und Dopamin sowie GABA und L-Glutamat) in Hirnnervenzellen. Im Vergleich zu schulmedizinischen Antidepressiva wird Johanniskraut fast nebenwirkungsfrei vertragen. Zu beachten sind jedoch zahlreiche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, so dass eine Selbstmedikation des Patienten nicht empfehlenswert ist. Außerdem besteht eine erhöhte Sensibilität auf UV-Licht, Patienten sind entsprechend vorzuinformieren.

Ein im asiatischen Raum weit verbreitetes Psychopharmakon sind Extrakte der Kava Kava-Wurzel. Derzeit ruht in Deutschland jedoch die Zulassung, da eine Lebertoxizität beschrieben wurde.

 

 

Pflanzliche Wirkstoffe bei Kopfschmerzen

Pfefferminzöl und japanisches Heilpflanzenöl können bei Kopfschmerzen direkt auf den
Schläfenbereich getropft werden.

 

 

Übersicht über in Bädern anzuwendende ätherische Öle

 

Wirkung

Ätherische Öle

Anregend

Rosmarin, Wacholder, Fichtennadel, Eukalyptus, Kampfer (auch zur Durchblutungsförderung)

Beruhigend

Baldrian, Lavendel, Melisse, Johanniskraut

adstringierend

Eichenrinde (z. B. in Form von Sitzbädern bei nässenden Ekzemen)

entzündungshemmend

Kamille, Teebaumöl

broncholytisch

Thymian

bindegewebskräftigend

Schachtelhalm (Zinnkraut)

durchblutungsfördernd

Moor, Rosskastanie

 

 

Stand 27.06.07




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