Habichtswaldklinik Kassel Bad-Wilhelmshöhe - Klinik für Onkologie Psychosomatik Innere Medizin Tinnitus Ayurveda Klinik für Ganzheitliche Rehabilitation
Druckversion vom 19.02.2009
URL: http://www.habichtswaldklinik.de/die-sanfte-onkologie.html
Werner Wilhelm Wicker
In der „sanften Onkologie“ gibt es sicherlich zwei wesentliche
Gesichtspunkte:
Zum einen den Gesichtspunkt der onkologisch-medizinischen
Therapie. Zum anderen den Gesichtspunkt des sensiblen, feineren Umganges des
Patienten mit sich selbst, seinen feinen Ebenen, die ihm mehr Aufschluss über
Hintergrund und Begleiterscheinungen seines Leidens und seiner Erkrankung geben
können.
Hier geht es um einen heilsamen Vorgang, der zur inneren Heilung führen kann.
Annahme der onkologischen KrankheitHier ist auf den sensibelsten inneren Strukturen festzustellen, ob die Krankheit wirklich angenommen oder noch gegen sie „gekämpft wird. Die Kraft und Energie des Patienten, die „im Kampf gegen die Krankheit“ verbraucht wird, steht einer wirklichen Annahme entgegen. Sie ist als helfende heilende Kraft und „Helfer des inneren Arztes“ so lange blockiert, bis die vorbehaltlose Annahme der Krankheit erfolgt ist. Emotional ist dieser anzustrebende Zustand etwa so zu beschreiben:
Der Patient sollte mit einfühlsamer therapeutischer Hilfe und „heilsamer therapeutischer Begleitung“ die Krankheit und den lokal erkrankten Bereich zu seinem ihm einverleibten und mit ihm auf allen Ebenen total verbundenen und identifizierten Bereich machen. Dieser „Akt der Annahme“ ist zugleich ein in Demut und vorbehaltloser Annahme aufgehender Akt, der nur bis zu einem bestimmten Grad noch intellektuell begleitet werden kann. Die tiefergehenden „Annahmeebenen“ liegen in den feinen Gefühls- und Empfindungsbereichen des Patienten, die im Sinne von Heil und Heilung heilsam aufgeschlossen werden. Je mehr der Therapeut die dafür so hilfreichen Eigenschaften in sich selbst besitzt und zum Wohle des Patienten zum heilsamen Fließen bringen kann, je mehr er den Patienten dafür öffnen und für die vorbehaltlose Annahme aufschließen und den Akt der Annahme in einen „Schoß der liebevollen Aufnahme“ einbringen kann, um so mehr wird sich ein Erfolg einstellen. Auch bei Patienten, die versichern, sie hätten dies alles bereits in sich vollzogen, sollten die einzelnen Schritte dieser Annahme – die natürlich einen fließenden Übergang haben – noch einmal auf der Gefühls- und emotionalen Ebene nachvollzogen werden, um etwa noch vorhandene letzte Annahmehürden zu überwinden.
Liebevoller Umgang mit sich selbstWir können nur so liebevoll sein, wie wir zu uns lebst sind. Dies hat nichts mit Narzissmus zu tun. Es hat zunächst einmal etwas mit der Annahme von sich – bzw. von uns – selbst zu tun. Kein Mensch dieser Erde kann uns so vorbehaltlos lieben und annehmen wie wir dies selbst könne, vor allem wenn es darum geht, diese Liebe jederzeit abrufbar und verfügbar zu haben bzw. „als ständigen Begleiter „ in uns tragen zu können. Diese Liebe in eine heilende Liebe verwandeln zu können, bedarf fast keiner Verwandlung mehr, weil Herzensliebe immer zugleich auch heilende Liebe ist. Die größte Heilkraft, die wir in uns besitzen bzw. freisetzen können, ist die Liebe des Herzens. Wenn wir sie in uns tragen, wird sie von selbst zu unserem und zum Wohle anderer strömen.
Bei der sanften Onkologie geht es um die Basis einer liebevollen
vorbehaltlosen Annahme des Patienten bezüglich seiner eigenen Person, dass heißt
von sich selbst, die auch die liebevolle Annahme eigener Fehler und Schwächen
mit einschließt.
Zu sich – „auf allen Ebenen“ – vorbehaltlos stehen zu können
und sich voll angenommen zu haben, setzt wiederum ein weiteres Kraftpotential
frei, das ansonsten blockiert wäre und über seine Bindung hinaus auch an der
Selbstsicherheit, dem Selbstverständnis und dem Urvertrauen nagende
Eigenschaften hat.
Die Einsicht, Liebe und daraus resultierende Kraft des Verzeihens und der
Vergebung
“Allen kann ich verzeihen und vergeben, aber einer ganz
bestimmten Person oder einigen Personen nicht“.
Wer hat nicht schon diesen Spruch gehört? Wer nicht schon diese
Unnachgiebigkeit zugleich herausgespürt?
In persönlichen Gesprächen erreiche
ich oft erstaunliche Einsichten, indem ich darauf verweise, dass derjenige oder
diejenige, der wir nicht verzeihen können, recht gut damit leben kann. Denn sie
sind ja in diesem Falle nicht mit dem nichtvollzogenen Akt des Verzeihens
belastet. Der „nicht verzeihen Könnende“ jedoch hat hier einen oder einige
„Kanäle“ blockiert, die seine eigene Freiheit einschränken und seine
Durchlässigkeit und das Fließen der Heil- und Lebenskräfte in ihm erschweren und
blockieren. Ist diese Einsicht gewonnen, dann ist wiederum ein entscheidender
Akt – zumindest eine entscheidende Vorbedingung – erfüllt.
Oft ist auch der Hinweis hilfreich:
Aber dann muss natürlich noch der Akt des „Verzeihens in Liebe“ vollzogen werden. Wenn dies mit Hilfe eines sensiblen Gesprächspartners oder Therapeuten mit guter Wahrnehmungsfähigkeit und in liebevoller Begleitung durchgeführt werden kann, könnte der Erfolg noch größer sein. Dies ist in liebevoller Qualität dann besonders gut möglich, wenn der in dieser Abfassung bereits beschriebene liebevolle Umgang mit sich selbst bereits erfolgreich vollzogen werden konnte.
Die Qualität dieses „Verzeihungsaktes“ zeigt sich in dem verbesserten Verhältnis des Verzeihenden mit dem Verziehenen. Je größer die innere Freiheit und Unbefangenheit desjenigen, der verziehen hat, gegenüber demjenigen, dem verziehen worden ist, gegeben ist, um so besser und um so tiefer ist der Vorgang des Verzeihens gelungen.
Der Akt der Verzeihung kommt dadurch zustande, dass der Verzeihende eine liebevolle Verbindung zu dem zu Verzeihenden herstellt, die zugleich die belastenden Strukturen auflöst. Friedvolle Gedanken und Liebe im Herzen machen dies möglich.
Immer wieder ist festzustellen, dass die Angst vor dem Tod sehr viel Kraft binden und zugleich auch einen Heilungs- oder Linderungsprozess sehr hemmen kann.
Die dadurch bedingte mangelnde Fähigkeit des inneren Loslassens kann mit der damit verbundenen Angst zu einer Krampfhaltung führen, die einer heilsamen und krankheitslindernden Entwicklung im Wege stehen kann.
„Der notwendige Trost, um die Angst vor dem Tod abzubauen, sollte dadurch gewonnen werden, dass wir die Sicht des Patienten aus der Begrenztheit des einen (jetzigen) Lebens hinaus in das Begreifen der Unsterblichkeit unserer Seele (unseres wirklichen und wahren Wesens) führen“.
Anschauliche, beispielhafte und hilfreiche Hinweise hierzu gibt es genug.
Die Auseinandersetzung mit der Reinkarnationslehre zeigt uns die Entstehung unseres Ichs (Welt-Ichs) auf. Wenn wir als kleines Kind noch eins mit dem Kosmos sind, bilden wir unser eigenes Ich dadurch, dass uns beigebracht wird, dass die wahrgenommenen Dinge, Haus, Auto, Baum und wir uns selbst als eigenständige Dinge und nicht als Teil des Ganzen in Einheit mit dem Ganzen betrachten sollen.
Der Vater oder die Mutter sagt zu dem ganz kleinen Kind, dass sich noch im Einsein mit der Natur befindet:
Damit ist das eigene ich, „Welt-Ich“, begründet, das wir zwar für unseren existentiellen Bestand und unsere Durchsetzungs- und Umsetzungsfähigkeit in diesem Leben benötigen, meisten aber in einem so starken Maße (auch durch übergroße Identifikation mit dem Körper) entwickeln, dass wir unser wahres und höheres Selbst dabei vergessen. Dies kann die Angst vor dem Tod sehr fördern.
Die Angst vor dem Tod kann uns genommen werden und eine überweltliche Dimension entstehen, wenn wir uns wieder unseres wahren Wesens gewahr werden und die Überidentifikation mit unserem Körper zurückgenommen haben.
Eine solche Entwicklung überträgt sich auch auf unser derzeitiges Leben. Wir werden gegenwartsbezogener, leben mehr im Hier und Jetzt, lassen Ängste und unnötige Anspannungen los und sind mit unserem Bewusstsein auf die größere Dimension – die über unser derzeitiges Leben hinausgeht – ausgerichtet.
„Wer die Kunst zu leben und zu sterben nicht durchlebt – bzw. durchgearbeitet hat – ist auch nicht in der Lage, richtig zu leben“.
Unsere unsterbliche Seele kann weder
mittels Feuer verbrannt
mittels Wasser ertränkt noch
mittels einer Kugel
erschossen werden. Sie ist unser unsterblicher Anteil in uns. Sie vermittelt uns während des Sterbevorgangs die Erfahrung der Unsterblichkeit und dass sie nicht auf Dauer an den Körper gebunden ist.
Menschen denen es gelingt, während einer meditativen Erfahrung den Körper zu
verlassen und von oben auf den Körper herabzuschauen, erkennen spätestens in
diesem Moment ihr wahres Wesen – ihre Seele – und die zeitliche Gebundenheit an
ihren Körper.
Dies deckt sich mit vielen Erfahrungen, die Menschen – die
bereits klinisch tot waren und die dennoch in ihrem jetzigen Körper überlebt
haben – berichten.
Der Sterbevorgang kann ein sehr befreiender und beinahe beglückender Vorgang
sein. Je mehr wir uns damit auseinandersetzen und darauf vorbereiten, um so mehr
können wir auch den Sterbevorgang zur weiteren Entwicklung unserer Seele während
desselben gebrauchen, da uns beim Sterbevorgang dafür beträchtliche helfende
Energien zur Verfügung stehen.
Sinnvoll ist es, auch bereits jetzt in und aus
der Seele zu leben.
Bert Hellinger sagt in seinen Seminaren:
“Wir haben eine Ich-Ebene, und
wir haben eine Seelen-Ebene“.
Damit können wir uns bereits – so lange wir in diesem Körper leben – entscheiden, ob wir in der Ich-Ebene oder der Seelen-Ebene leben und „zu Hause“ sein wollen.
Bert Hellinger sagt auch:
“Wir sollen nicht nur eine Seele in uns
haben, sondern wir sollen auch in dieser Seele sein“.
Dies kann uns in eine neue Dimension führen, die es uns erlaubt, unserem Schicksal ins Auge zu sehen und mit mehr Kraft und Tiefe zugleich zu meistern. Wir können Wachstumsprozesse erleben, die unserer Persönlichkeit und ihrer Entwicklung dienlich sein können. Wenn wir im Heilberuf tätig sind, können wir dadurch die Patienten viel tiefer und nachhaltiger auf Ebenen des Heils und der inneren Heilung erreichen. Auch wenn wir nicht im Heilberuf tätig sind, können wir die Menschen mit denen wir kommunizieren, auf diesen Ebenen erreichen und damit viel Heil und Heilsames vermitteln.