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Brustkrebs bei Männern

Habichtswald-Klinik Kassel

Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie

 

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Dass Brustkrebs auch bei Männern vorkommt, ist im Allgemeinen wenig bekannt. Dies führt dazu, dass erste Symptome bei Männern oft sehr viel später einer bösartigen Erkrankung zugeordnet werden, die erforderliche Diagnostik und damit auch die Therapie verzögert wird. Die Diagnose führt meist zu einer erheblichen Verunsicherung der männlichen Patienten bis hin zu Schamgefühl und dem Wunsch, diese Erkrankung auf keinen Fall bekannt werden zu lassen.

Wegen des seltenen Vorkommens bei Männern wurden in allen Studien, die in den letzten Jahren erheblich zur Verbesserung der Therapie von Brustkrebs beigetragen haben, nur Frauen untersucht. Aus diesem Grund werden die Therapieempfehlungen für Frauen grundsätzlich auch auf den Brustkrebs bei Männern übertragen, ohne dass derzeit mögliche Besonderheiten beim männlichen Geschlecht betrachtet werden.

Brustkrebs bei Männern entsteht in der Brustdrüse, die beim männlichen Geschlecht ebenfalls in der Embryonalentwicklung angelegt wird.

Auch bei Männern ist Brustkrebs eine Erkrankung des höheren Lebensalters, das Durchschnittsalter liegt derzeit bei 70 Jahren.

Die Ursachen der Brustkrebsentstehung bei Männern sind weitgehend unbekannt. Auch bei Männern reagieren die normalen Brustdrüsenzellen auf weibliche Hormone, also auf Östrogene. Veränderungen im Hormonhaushalt können deshalb das Risiko für die Entstehung von Brustkrebs erhöhen. Hierzu gehören starke Schäden des Lebergewebes sowie eine Leberzirrhose, chromosomale Veränderungen (sog. Klinefelter-Syndrom), angeborene oder erworbene Veränderungen der Hoden mit einer verminderten Testosteronproduktion sowie sehr stark ausgeprägtes Übergewicht.

In einigen Familien wird Brustkrebs vererbt. Bisher konnten zwei genetische Veränderungen definiert werden, die bei Frauen mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko einhergehen. Bei Männern, die von ihrer Mutter eines dieser Gene geerbt haben, ist die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung höher.

Ein Knoten oder eine Verhärtung in der Brust sollten auch für Männer Anlass zu einer weiterführenden Diagnostik geben. Veränderungen der Brustwarze wie eine Einziehung oder Entleerung von Sekret sind Warnsignale.

Die meisten Männer werden sich bei solchen Symptomen als erstes an ihren Hausarzt wenden. Spezialisierte Ärzte gibt es nicht, so dass sich die männlichen Patienten oft in einem Brustzentrum einer Frauenklinik vorstellen müssen.

Erforderliche Untersuchungen sind die Röntgenuntersuchung der Brust (Mammographie) sowie ggf. eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie).

Wird bei diesen Untersuchungen ein verdächtiges Areal entdeckt, so muss eine Gewebeprobe (sog. Biopsie) entnommen werden.

Besteht der Verdacht, dass der Brustkrebs sich bereits weiter ausgebreitet hat, erfolgen weitere Untersuchungen wie die Sonographie der Bauchorgane, insbesondere der Leber, eine Röntgenuntersuchung der Lunge und ggf. Computertomographien und eine Szintigraphie der Knochen.

Der erste Therapieschritt ist in der Regel eine Operation, bei der der Tumor mit einem umgebenden gesunden Gewebebereich entnommen wird. Da die männliche Brustdrüse sehr klein ist, bedeutet dies in der Regel, dass die gesamte Brustdrüse entfernt werden muss. Der darunter liegende Brustmuskel kann meistens geschont werden, so dass das kosmetische Ergebnis bei guter Narbenheilung für Männer in der Regel ausgezeichnet ist.

Zur Operation gehören auch die Entfernung der in der Achselhöhle liegenden Lymphknoten oder zumindest die Entfernung des sog. Wächterlymphknotens und seine feingewebliche Untersuchung.

Die Entfernung der Achsellymphknoten kann einmal durch die Wunde einer meist nur vorübergehenden Einschränkung der Beweglichkeit im Schultergelenk führen. Gefürchteter ist die Entstehung eines Lymphödems des Armes, da der Abfluss der Lymphe aus dem Arm ebenfalls über die Achsellymphknoten läuft.

Da der Sicherheitsabstand bei der Entfernung des Tumorknotens bei Männern aufgrund der geringen Größe der Brustdrüse meist nur sehr klein ist, wird vielfach eine anschließende Bestrahlung empfohlen, um evtl. in der Grenzschicht befindliche Tumorzellen abzutöten.

Eine modern geplante Bestrahlung wird in der Regel sehr gut vertragen, entzündliche Hautreaktionen sind meist auf die Zeit der Bestrahlung und die kurze Zeit der anschließenden Abheilung begrenzt und können durch eine geeignete Hautpflege gebessert werden.

Wenn der Tumor nicht in einem sehr frühen Stadium (sehr kleiner Tumor, kein Lymphknotenbefall) entdeckt worden ist, so kann auch Männern eine antihormonelle Therapie empfohlen werden. Diese richtet sich nach den gleichen Kriterien und setzt die gleichen Medikamente ein wie bei Frauen, da sie sich auch bei Männern gegen das Östrogen richtet. Die Verträglichkeit der antihormonellen Therapie ist bei Männern sehr unterschiedlich. Ausgeprägte Hormonausfallserscheinungen wie sie bei Frauen vorkommen, sind deutlich seltener, da der eigene Östrogenspiegel bei Männern deutlich niedriger ist.

Bei größeren oder ausgedehnteren Tumoren kann wie bei der Frau eine Chemotherapie eingesetzt werden. Auch hier werden die gleichen Medikamente und Medikamentenkombinationen wie bei Frauen eingesetzt.

Bei der Therapie einer fortgeschrittenen Erkrankung, d. h. beim Auftreten von Metastasen, können ebenfalls eine antihormonelle Therapie oder eine Chemotherapie eingesetzt werden. Liegen Metastasen im Knochen vor, so kommt auch eine auf die einzelne Stelle zielende Strahlentherapie infrage, die sowohl zu einer deutlichen Reduktion von Schmerzen führen kann als auch das betroffene Knochenareal stabilisiert.

Einige Brustkrebstumoren haben auf ihrer Oberfläche einen Rezeptor für ein Wachstumssignal, das sog. HER2-neu. In diesen Fällen ist auch eine Therapie mit einem gegen diesen Rezeptor gerichteten Antikörper (Herceptin®) möglich. Diese Therapie kann alleine oder in Kombination mit einer Chemotherapie durchgeführt werden.

Angebot für männliche Patienten mit einem Mammakarzinom in der Habichtswald-Klinik

Patienten mit einem Mammakarzinom können in unserem Haus sowohl zur Durchführung einer Chemotherapie, zur Einleitung einer antihormonellen Therapie als auch zu einer Anschlussheilbehandlung oder Rehabilitation aufgenommen werden.

Auch die Einholung einer zweiten Meinung (second opinion) ist bei uns möglich.

In ausgewählten Fällen ist es auch möglich, in Kooperation während eines stationären Aufenthaltes bei uns eine Strahlentherapie durchzuführen.

 

Anschlussheilbehandlung und Rehabilitation

Als Bestandteile einer ganzheitlichen Abteilung tragen alle unsere therapeutischen Angebote gemeinsam zu der Wiedererlangung der Einheit von Körper, Geist und Seele bei.

Patienten, die zu einer Anschlussheilbehandlung im Rahmen einer Rehabilitation zu uns kommen, erfahren eine intensive Begleitung der Therapie, die zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit und Lebensqualität führen soll.

Im Rahmen der Behandlung eines Patienten mit einem Mammakarzinom gibt es keine komplementäre Therapie, die die Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie ersetzen kann. Wir wissen aber, dass komplementäre Verfahren die Lebensqualität während und nach der schulmedizinischen Therapie erhöhen können. Unter komplementären Verfahren verstehen wir gezielt eingesetzte Nahrungsergänzungsmittel, die Pflanzenheilkunde, z. B. zur Linderung von postoperativ auftretenden Hormonentzugssymptomen, zur Unterstützung von Entspannungsverfahren, zur natürlichen Beeinflussung von Ängsten und Depressionen.

Darüber hinaus hat es sich die Naturheilkunde zum Ziel gesetzt, das unter der Krebserkrankung und der Schulmedizin leidende Immunsystem zu stärken und in seinem Kampf gegen die Krebserkrankung zu unterstützen.

Ganzheitliche Medizin bedeutet für den Krebspatienten die Berücksichtigung aller Dimensionen des Lebens, also neben rein körperlichen Gesichtspunkten auch die geistigen und seelischen Aspekte.

Viele Therapieansätze aus der Ganzheitsmedizin zielen nicht direkt auf die Zerstörung des Tumors, sondern auf die Stärkung der körpereigenen Kräfte und die Förderung der Gesundung (Salutogenese).

Wenn einem Patienten mit Mammakarzinom nun nach einer Operation zu einer Hormon- oder Chemotherapie geraten wird, so stellt sich - was gut zu verstehen ist - als erstes die Frage: Muss das sein, oder gibt es Alternativen? Wir erläutern unseren Patienten (falls dies nicht bereits durch die sie bisher behandelnden Ärzte geschehen ist), auf welchen Überlegungen die Empfehlung zur adjuvanten, also ergänzenden Therapie beruht, welchen Nutzen sie daraus ziehen können und welche Probleme damit verbunden sind.

Die Situation des männlichen Patienten ist uns ein besonderes Anliegen. Wir haben es uns zum Prinzip gemacht, die Situationen mit unseren Patienten sehr ausführlich zu erörtern und die Ziele der Therapie, ihre Nebenwirkungen und die Bedingungen, unter denen eine hier begonnene Therapie zu Hause weitergeführt werden könnte, zu diskutieren.

Eine begleitende und wieder aufbauende psychologische Betreuung soll die Erfahrung der lebensbedrohlichen Erkrankung überwinden helfen und ein positives Gestalten der eigenen Zukunft ermöglichen. Die psychoonkologische Betreuung des Patienten besteht neben einer Gruppentherapie in Einzeltherapien. Dies ermöglicht ein gezieltes Eingehen auf die persönliche Situation des Patienten. Soweit möglich und von dem Patienten gewünscht, beziehen wir auch Partner und weitere Familienangehörige in die aufklärenden Gespräche und die psychoonkologische Betreuung ein.

Es gelingt so, auch für Patienten in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium die Lebensqualität deutlich zu verbessern. Wir gehen davon aus, dass durch diese Verbesserung der Lebensqualität auch die körpereigenen Abwehrkräfte gestärkt werden.

Wesentlich tragen die Mitarbeiter der Krankengymnastik, der Bäder- und Massageabteilung dazu bei, dass der Patient körperliches Wohlbefinden wiedererlangt. Im Rahmen der Krankengymnastik, Sporttherapie und in der Massage- und Bäderabteilung werden verschiedene Therapieformen eingesetzt, um gezielt die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern und wieder Zutrauen in den eigenen Körper zu finden und auch auf diesem Weg einen höhere Lebensqualität zu erreichen.

Wir sehen in unserer täglichen Arbeit, dass frühzeitige gute Krankengymnastik, Lymphdrainage und Narbenbehandlung wie wir sie in der Habichtswald-Klinik Kassel anbieten, die Operationsfolgen deutlich mindern kann.

Früher wurden Patienten mit Brustkrebs mit sehr weitgehenden Einschränkungen ihres persönlichen Lebens konfrontiert. Moderne Operationstechniken führen zu einer deutlich geringeren Häufigkeit und Ausmaß der Ausbildung eines Lymphödems, so dass die Belastbarkeit des Armes bei körperlichen Betätigungen, aber auch gegenüber moderater Wärme besser ist. Liegt kein Lymphödem vor, so nehmen unsere Patienten am normalen Sportprogramm teil, probieren Walking oder Saunagänge aus. Wir beraten Patienten umfassend zu allen Fragen in diesem Zusammenhang und geben Empfehlungen für zuhause.

Ist es trotz allem zu einem Lymphödem gekommen, so werden gezielt Lymphdrainagen und Bandagierungen durchgeführt und wenn erforderlich erfolgt die Anpassung eines Kompressionsstrumpfes.

In der Krankengymnastik stehen spezielle Übungen zur Förderung der Beweglichkeit im Schulter-Arm-Bereich im Vordergrund. Außerdem erlernen die Patienten in unserem Haus, wie sie in der Eigengymnastik entstauende Übungen durchführen können, um Lymphstauungen im betroffenen Arm zu vermeiden. In einem Schulungsprogramm erlernen die Patienten ein situationsgerechtes Verhalten und das Vermeiden von Risikosituationen, die zur Ausbildung oder Förderung eines Lymphödems führen können.

Neben der Krankengymnastik fördert die Ergotherapie die Beweglichkeit im Armbereich. Ergotherapeutische Verfahren kommen auch zum Einsatz, wenn im Rahmen der Chemotherapie Empfindungsstörungen im Bereich der Hände (Polyneuropathie) entstanden sind.

Sollte es in Einzelfällen zu stärkeren Hautreaktionen unter der Bestrahlung gekommen sein, sind unsere Patienten in den Händen versierter Pflegekräfte, die Hautpflegemittel mit Unterstützung von naturheilkundlichen Maßnahmen einsetzen und auch eine gezielte Narbenbehandlung einleiten.

Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie. Es gibt keine gezielte Krebsdiät, die den Tumor beseitigen könnte, aber durch eine gesunde Ernährung kann viel zur Stärkung des Körpers beigetragen werden, Dabei muss die Krankheitsgeschichte des Patienten berücksichtigt werden. Deshalb bieten wir verschiedene Formen einer vollwertigen Ernährung und Vitalkost (ausgewogenen Form der Makrobiotik) aber auch alle medizinisch erforderlichen Diäten an. Darüber hinaus können Patienten in unserem Haus die ayurvedische Ernährung kennen lernen.

Bei der Diagnose Krebs taucht bei vielen Patienten die Frage nach dem Sinn auf. Hier bietet unsere Klinik einzigartige Möglichkeiten, auf freiwilliger Basis verschiedene Angebote zu nutzen, um sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Hierzu gehören vorbereitend Entspannungsverfahren und ein nicht konfessionell gebundenes spirituelles Angebot.

Wesentlich zur Wiedererlangung der eigenen Kräfte und Freude am eigenen Schaffen ist die freiwillige Teilnahme am kreativen Angebot.

Patienten, die mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen in unser Haus kommen, werden umfassend und vertrauensvoll über das für und wider jedes Behandlungsschrittes sorgfältig in Gesprächen zwischen Arzt und Patient aufgeklärt.

Die Behandlung von Schmerzen ist vorrangiges Ziel einer interdisziplinären Arbeitsgruppe von Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und Psychologen.

 

 

Stand 22.06.07

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Aktualisiert am 09.02.2009 - Erstellt mit Zeta Producer Desktop CMS