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Harnblasenkarcinom

Habichtswald-Klinik Kassel

Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie

 

Das Harnblasenkarzinom ist nach dem Prostatakarzinom die zweithäufigste bösartige Erkrankung der ableitenden Harnwege. Männer sind etwa dreimal häufiger betroffen als Frauen.

Hinsichtlich der Altersverteilung nimmt die Häufigkeit der Erkrankungsfälle ab dem 40. Lebensjahr zu. Die überwiegende Zahl der Betroffenen ist zwischen 50 und 75 Jahre alt. Einen individuell beeinflussbaren Risikofaktor stellt das Rauchen dar. Das Risiko, an einem Harnblasenkarzinom zu erkranken, ist bei Rauchern etwa 2-bis 4-fach erhöht. Das Erkrankungsrisiko hängt auch vom Teergehalt und der Menge der gerauchten Zigaretten ab.

Bei einigen Chemikalien in der Arbeitswelt (Anilinfarbstoffe, aromatische Amine, Benzidin, Naphtylamin, Aminodiphenyl) besteht ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Krebserkrankung. Bei einer beruflichen Belastung ist zu prüfen, ob eine Berufskrankheit vorliegt. Hierzu gehören Arbeitsplätze in der Leder-, Textil- und Farbstoffindustrie.

Auch das Zytostatikum Cyclophosphamid führt zu einer Schädigung der Blasenschleimhaut mit der Gefahr einer Entartung. Deshalb wird bei hohen Dosen dieser Substanz eine schützende Substanz (Uromitexan = MESNA®) gegeben.

Weitere Ursachen für die Entstehung von bösartigen Veränderungen der Harnblase sind häufige Blasenentzündungen (chronische Zystitis) und die gehäufte Einnahme von Schmerzmitteln, welche Phenacetin enthalten. Früher wurde eine Risikosteigerung durch Süßstoff (Saccharin, Cyclamat) und Inhaltsstoffe der gerösteten Kaffeebohne diskutiert, was aber bisher nicht bestätigt werden konnte. Zusätzlich können Entzündungszustände, die über einen längeren Zeitraum bestehen, wie dies bei Querschnittspatienten oder anderen Dauerkatheterträgern der Fall sein kann, zu einer leichten Risikosteigerung führen. Ursächlich für die Tumorentstehung können Substanzen (Nitrosamine) sein, die von Bakterien (E. coli, Proteus, Schistosoma haematobium) gebildet werden.

Vereinfacht können Harnblasenkarzinome in oberflächliche und sogenannte invasive Karzinome eingeteilt werden. Bei invasiven Karzinomen sind die tieferen Schichten der Blasenwand, insbesondere die Muskulatur, befallen. Die Grenze zwischen oberflächlichen und tiefen Blasenkarzinomen bildet die Muskelschicht der Harnblase. Die Eindringtiefe ist von großer Bedeutung für die Prognose der Erkrankung. Oberflächliche Karzinome haben eine bessere Prognose als Karzinome, die die Muskelschicht durchbrochen haben.

Werden Harnblasenkarzinome neu entdeckt, handelt es sich in 80% der Fälle um oberflächliche Tumore. Der übrige Anteil besteht aus Geschwüren, die tiefer in die Blasenwand eindringen und Blut- und Lymphbahnen befallen können. Von den zunächst oberflächlichen Geschwüren wachen 10-15% später in die Tiefe. Bei T1-Tumoren liegt der Anteil sogar bei 30-50%. Bei fortgeschrittenen Erkrankungen kann es über die Lymph- und Blutgefäße zu Absiedelungen in Lymphknoten, Leber, Lunge, Knochen und andere Organe kommen.

Das häufigste Symptom für einen Harnblasenkrebs sind Blutbeimengungen im Urin, die entweder dem Patienten als Rotfärbung des Urins auffallen oder (bei kleinsten Mengen) nur bei der Laboruntersuchung einer Harnprobe auffallen. Weitere Symptome können Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang und Schmerzen im Blasenbereich sein. Da diese Symptome auch bei einer Entzündung der Harnblase auftreten, ist eine Abklärung bei längerem Anhalten unbedingt erforderlich. Bei fortgeschrittener Krankheit können Rückenschmerzen durch gestaute Nieren oder eine Schwellung der Beine durch Lymphstauung hinzukommen.

Durch eine Ultraschalluntersuchung können größere Blasentumore oder auch eine Stauung der Nieren festgestellt werden. Bei einer Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel (Infusionsurogramm) zeigen sich bösartige Veränderungen als Kontrastmittelaussparung.

Ein CT (Computertomogramm) wird vor einer Harnblasenoperation durchgeführt, um ein mögliches organüberschreitendes Wachstum und Lymphknotenveränderungen abzuklären. Oberflächliche Tumoren werden während einer Blasenspiegelung mit einer Hochfrequenzschlinge abgetragen. Der Tumorgrund kann im Rahmen dieses Eingriffs mit Hochfrequenzstrom oder mit Hilfe der Lasertechnologie verschorft werden. Abschließend wird zumeist für einen Zeitraum von 24 Stunden ein Blasenspülkatheter eingelegt. Dieser Eingriff wird transurethrale Resektion der Blase oder kurz TUR-Blase genannt.

Da diese Tumoren in einem hohen Prozentsatz rezidivieren, wurden zwei Methoden entwickelt, um die Rezidivrate zu senken:

-          Die Installation (Füllungsbehandlung) mit BCG (dem Impfbakterien gegen Tuberkulose)

-          Die Installation mit Chemotherapeutika.

Für Harnblasenkarzinome, bei denen sich das Karzinom bis in die innere Muskelschicht ausgebreitet hat, aber noch auf die Harnblase begrenzt ist (Stadium T2 bis T3), gilt die offene chirurgische Entfernung der Harnblase als Behandlung der Wahl. Auch bei häufig wieder auftretenden stark veränderten (G2-3) oberflächlichen Karzinomen, die nicht auf eine Füllungsbehandlung ansprechen, kann es notwendig sein, eine komplette Entfernung der Harnblase durchzuführen.

Im Rahmen einer kompletten Blasenentfernung, der sogenannten „radikalen Zystektomie“ werden die Beckenlymphknoten sowie beim Mann die Prostata und die Samenblasen mit entfernt. Bei der Frau entfernt man die gesamte Harnröhre, die vordere Scheidenwand und die Gebärmutter mit den Eierstöcken.

Nach der Operation gibt es verschiedene Möglichkeiten der Harnableitung:

1.      Die Harnleiteröffnungen werden als sog. Urostomata in die Haut eingepflanzt. Der Harn wird in einem Beutelsystem aufgefangen.

2.      Die Harnleiter münden in den Darm und der Harn entleert sich in diesem Darmabschnitt und wird dort (nach teilweiser Resorption des Wassers) ausgeschieden.

3.      Es wird eine neue Blase aus einem Darmabschnitt gebildet, die im Bauchraum unterhalb des Bauchnabels liegt und über kleine Katheter, welche durch eine Bauchnabelöffnung eingeführt werden, entleert wird (Nabelpouch).

4.      Es wird aus einem ausgeschalteten Darmabschnitt eine neue Blase gebildet, die an die Stelle der alten eingesetzt wird. Der Harnfluss läuft wie zuvor über die normale Harnröhre.

Die verschiedenen Operationsverfahren haben unterschiedliche Vor- und Nachteile, die Planung muss die individuelle Situation des Patienten berücksichtigen.

In Fällen mit einem hohen Rezidivrisiko oder bei bereits vorliegenden Metastasen ist eine Chemotherapie sinnvoll. Früher standen hierfür nur relativ toxische Kombinationen zur Verfügung, moderne Schemata (z. B. die Kombination aus Cisplatin und Gemcitabine) sind deutlich besser verträglich.

 

Betreuung von Patienten nach Operation eines Harnblasenkarzinoms in der Habichtswald-Klinik

Patienten können bei uns nach der Operation eine Chemotherapie beginnen oder fortsetzen.

Im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung oder Rehabilitation geht es zunächst für alle Patienten darum, wieder körperliche Kräfte zu gewinnen. Dies erfolgt mit gezielter Krankengymnastik, Sporttherapie und Ergotherapie.

Eine begleitende Ernährungstherapie, die von der Aufbaukost bis zu speziellen Kostformen nach evtl. Darmoperation reicht, unterstützt den Kräfteaufbau.

Besonderen Wert legen wir auf eine enge Betreuung durch erfahrene Ärzte, die sich Zeit nehmen, Fragen zu beantworten.

 

Stand 22.06.07

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Aktualisiert am 09.02.2009