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Juckreiz bei Tumorerkrankungen

Habichtswald-Klinik Kassel

Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie

 

Juckreiz ist ein seltenes Symptom bei Tumorerkrankungen. Wenn er jedoch auftritt, so ist er für die Patienten außergewöhnlich belastend. Dass es bei Juckreiz verschiedene Therapiemöglichkeiten gibt, ist leider noch wenig bekannt, sodass viele Patienten mit dem Symptom allein gelassen werden.

Um eine Therapie erfolgreich durchzuführen, sollte zunächst die Ursache des Juckreizes festgestellt werden.

Juckreiz kann unmittelbar in der Haut entstehen, entlang der Nervenfasern oder bei der zentralen Verarbeitung von Sinneseindrücken im Gehirn. Eine vierte Möglichkeit ist eine psychogene Ursache.

Konkrete Ursachen für Juckreiz sind:

  • trockene Haut
  • Folgeerscheinungen von bestimmten Medikamenten
  • sekundär, also im Gefolge von Erkrankungen, die evtl. durch den Tumor ausgelöst sind (Rückstau des gelben Gallenfarbstoffes (Cholestase), ungenügende Entgiftungsleistung der Niere (Urämie))
  • Einwandern von Tumorzellen in die Haut
  • Eisenmangelanämie
  • durch den Tumor ausgelöster Juckreiz, ohne dass der direkte Mechanismus bekannt ist (sog. paraneoplastischer Juckreiz)

Juckreiz kommt insbesondere bei hämatoonkologischen Erkrankungen häufig vor, hierzu gehören Morbus Hodgkin, Polycythämia vera und das Sezary-Syndrom, Morbus Waldenström, Mycosis fungoidis, Plasmozytom (multiples Myelom) und Leukämien.

Ein Rückstau des gelben Gallenfarbstoffes (Cholestase) entsteht, wenn der Tumor oder Metastasen oder durch den Tumor vergrößerte Lymphknoten so auf die Gallenwege drücken oder die Gallenwege verlegen, dass der Gallenfarbstoff nicht mehr in den Darm abfließen kann. In der Regel kommt es zu einer Gelbfärbung der Haut. Auch bei einer weitgehenden Infiltration der Leber durch den Tumor kann es zu einer verschlechterten Ausscheidung von Gallenfarbstoffen kommen.

Ein Juckreiz bei sich verschlechternder Nierenfunktion (Urämie) kann unterschiedliche Ursachen haben. Hierzu zählen Schädigungen der Niere durch Medikamente oder schlechte Durchblutung, aber auch ein Rückstau des Harns in die Niere, wenn z. B. der Tumor den Abfluss über die Blase behindert.

Einige Medikamente können zu Juckreiz führen. Hierzu gehören auch die in der Schmerztherapie bei Tumorpatienten eingesetzten Opiate. Circa 1 % der Patienten sind hiervon betroffen.

Behandlung

Die erste Maßnahme ist eine sehr gute Hautpflege. Hierzu gehören als Basis eine gute und ausreichende Ernährung mit Eiweißen, Kohlenhydraten, ausreichend Fetten, Vitaminen und Mineralstoffen sowie eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme.

Der Patient sollte auf jeden Fall darauf achten, dass die Haut nicht trocken wird. Bei der Hautreinigung sollten Seifen vermieden werden, beim Baden und Duschen können rückfettende Badezusätze verwendet werden.

Nach dem Waschen sollte die Haut vorsichtig mit einem weichen Tuch getrocknet und nicht abgerieben werden.

Nach der Reinigung und ggf. auch mehrfach am Tag sollte die Haut eingerieben werden. Hierzu können Lotionen oder bei starker Trockenheit auch Cremes und fetthaltige Salben verwendet werden. Wichtig ist es, auch die Hautstellen zu erreichen, die man nicht selber eincremen kann.

Der Gebrauch von Lotionen und Salben mit Parfüm- und Deodorantzusätzen sollte vermieden werden.

Die meisten Patienten empfinden Wärme und Hitze als unangenehm, sie steigern den Juckreiz. Deshalb sollten leichte und kühlende Kleidungen und Bettwäsche bevorzugt werden.

Die medikamentöse Therapie richtet sich danach, ob eine Ursache für den Juckreiz gefunden werden konnte.

Bei Cholestase sollte zunächst versucht werden, den Abfluss der Gallenflüssigkeit wieder herzustellen. Dies gelingt oft durch Einlegen eines dünnen Röhrchens in den Gallengang.

Ist dies nicht möglich oder ist der Effekt nicht ausreichend, so kann durch folgende Medikamente versucht werden, eine Erleichterung zu erreichen.

 

·         Naltrexone (12,5-250 mg 1 x täglich (Achtung, Antagonist von Opiaten, deshalb kontraindiziert bei einer Schmerztherapie mit Opiaten!))

·         Methyltestosteron (25 mg sublingual) oder Danazol (200 mg 3 x täglich)

·         Rifampicin (75 mg 1 x täglich bis 150 mg 2 x täglich)

·         Cholestyramin (4-8 g 1-2 x täglich)

·         Ondansetron (Einsatz noch umstritten)

Rifampicin wirkt durch Unterbrechung der Zirkulation der Gallensäure vom Darm zurück in die Leber. Dadurch, dass Rifampicin Leberenzyme verändert, sind zahlreiche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten möglich, sodass der Einsatz nur kontrolliert erfolgen sollte.

Cholestyramin unterbricht ebenfalls die Wiederaufnahme von Gallenfarbstoff aus dem Darm in den Kreislauf.

Liegt eine Urämie vor, so kann zunächst versucht werden, über eine UVB-Phototherapie der gesamten Haut eine Linderung zu erreichen. Medikamentös werden eingesetzt:

  • Naltrexone (50-100 mg abends; Kontraindikationen bei Opiattherapie (siehe oben))
  • Thalidomid (100 mg zur Nacht)
  • Mirtazapin (7,5-15 mg 1 x täglich) eingesetzt.

Der Juckreiz bei Polycythämia vera kann durch niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (300 mg täglich) behandelt werden.

Der Juckreiz bei Morbus Hodgkin wird meistens durch eine erfolgreiche Therapie beendet. Spricht die Erkrankung auf die Therapie nicht an, so können Cortisonpräparate hilfreich sein. Als Alternative steht Cimetidin (800 mg täglich) oder Mirtazapin (7,5-15 mg zur Nacht) zur Verfügung.

Paraneoplastischer Juckreiz lässt sich durch Cortison oder Cimetidin nicht beeinflussen. Die wirksamste Substanz ist Paroxetin (5-20 mg 1 x täglich). Alternativ können Mirtazapin (7,5-15 mg zur Nacht), eine Kombination aus beiden oder Thalidomid (100 mg zur Nacht) eingesetzt werden.

Kommt es durch eine Schmerztherapie mit Opiaten zu Juckreiz, so sollte das Opiat gewechselt werden, was meistens zu einer Verbesserung für den Patienten führt.

 

 

Stand 22.06.07

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Aktualisiert am 09.02.2009 - Erstellt mit Zeta Producer Desktop CMS