Habichtswald-Klinik Kassel
Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie
Karzinome des Dünndarms sind ausgesprochen seltene Erkrankungen.
Sie stellen ca. 2 % aller Tumoren des Magen-Darm-Traktes dar.
Krankheiten, die etwas häufiger mit der Entwicklung eines Dünndarmkarzinoms
einhergehen, sind der Morbus Crohn, die Zöliakie, das vererbliche, nicht
polypöse colo-rectale Karzinom (HNPCC) sowie die familiäre adenomatöse Poliposis
(FAP). Risikofaktoren, die jeder selbst beeinflussen kann, sind: Nikotinkonsum
und eine an tierischen Fetten reiche Ernährung.
Dünndarmkarzinome kommen bei Männern und Frauen gleichhäufig vor. Da sie
häufig mit unspezifischen Symptomen einhergehen und mit Untersuchungstechniken
der Endoskopie und Sonographie in Routineuntersuchungen im frühen Stadium
praktisch nicht zu erkennen sind, werden Dünndarmkarzinome häufig erst in
fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert. Bei 40 % der Patienten bestehen bei
der Erstdiagnose bereits Metastasen.
Symptome eines Dünndarmkarzinoms können sein: Oberbauchschmerzen,
Gewichtsverlust und Anämie. Diese treten jedoch auch bei vielfältigen anderen,
zum Teil auch harmlosen Erkrankungen auf.
Mögliche diagnostische Wege sind:
· der Ultraschall,
insbesondere der endoskopische Ultraschall
· das CT mit vorheriger
Flüssigkeitsfüllung des Darmes durch reichlich Trinken von Wasser
· die Endoskopie, d. h. die
Magen-Darm-Spiegelung mit Vorführen bis in den 12-Finger-Darm kommt kaum über
diesen Abschnitt hinaus, sodass größere Teile des Dünndarms hierfür nicht
zugänglich sind. Spezielle, vom Patienten zu schluckende kleine, mit
Videokameras ausgerüstete Kapseln können durch den gesamten Dünndarm wandern und
das Bildmaterial anschließend ausgewertet werden. Entscheidend ist bei der
Durchführung der Endoskopie die Gewinnung einer Gewebeprobe (Biopsie). Dieses
ist mit der Endo-Kapsel nicht möglich.
Wesentliche therapeutische Maßnahme ist die Operation, die den Tumor
möglichst im Gesunden entfernen soll. Liegen noch kein Befall der Lymphknoten
und keine Fernmetastasen vor, so haben die Patienten eine ausgezeichnete
Überlebenschance.
Bei fortgeschritteneren Erkrankungen wird in Analogie zum Dickdarmkarzinom
mit einer Chemotherapie behandelt. Hierbei werden die gleichen Medikamente und
Medikamentenkombinationen eingesetzt, die auch beim Dickdarmkarzinom verwendet
werden.
Erfolgte eine komplette Resektion des Tumors, waren aber Lymphknoten
befallen, so empfehlen einige Zentren auch diesen Patienten ebenso wie beim
Dickdarmkarzinom eine sog. adjuvante Chemotherapie.
Eine besondere Form ist das Karzinoid, das im Dünndarm und im Blinddarm
vorkommt. Hier sind die Krebszellen nicht aus oberflächlichen Schleimhautzellen
entstanden, sondern aus sog. endokrinen Zellen, die Hormone und Botenstoffe
bilden können.
Angebot für Patienten mit Dünndarmkarzinom in der
Habichtswald-Klinik
Patienten mit der Erstdiagnose bzw. nach Abschluss der Therapie oder bei
Rezidiv haben die Möglichkeit, im Rahmen der second opinion bei uns eine
zweite Meinung einholen.
Patienten können in unserem Haus zur gezielten Durchführung einer
Chemotherapie aufgenommen werden, es ist jedoch auch möglich, im Rahmen einer
Anschlussheilbehandlung oder Rehabilitation einzelne Kurse einer Chemotherapie
zu machen. Nach Absprache können während eines Aufenthaltes bei uns auch lokale
Therapien von Lebermetastasen in Kooperation mit radiologischen Instituten
durchgeführt werden.
Anschlussheilbehandlung und Rehabilitation
Als Bestandteile einer ganzheitlichen Abteilung tragen alle unsere
therapeutischen Angebote gemeinsam zu der Wiedererlangung der Einheit von
Körper, Geist und Seele bei.
Patienten, die zu einer Anschlussheilbehandlung im Rahmen einer
Rehabilitation zu uns kommen, erfahren eine intensive Begleitung der Therapie,
die zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit und Lebensqualität führen soll.
Im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung und Rehabilitation werden Patienten
nach frühzeitiger Übernahme nach einer Operation kompetent ärztliche und
pflegerisch betreut. Dies umfasst auch eine Wundversorgung.
Im Rahmen der Behandlung eines Patienten mit einem Dünndarmkarzinom gibt es
keine komplementäre Therapie, die die Operation oder Chemotherapie ersetzen
kann. Wir wissen aber, dass komplementäre Verfahren die Lebensqualität während
und nach der schulmedizinischen Therapie erhöhen können. Unter komplementären
Verfahren verstehen wir gezielt eingesetzte Nahrungsergänzungsmittel, die
Pflanzenheilkunde. Darüber hinaus hat es sich die Naturheilkunde zum Ziel
gesetzt, das unter der Krebserkrankung und der Schulmedizin leidende Immunsystem
zu stärken und in seinem Kampf gegen die Krebserkrankung zu unterstützen.
Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie.
Es gibt keine gezielte Krebsdiät, die den Tumor beseitigen könnte, aber durch
eine gesunde Ernährung kann viel zur Stärkung des Körpers beigetragen werden,
Dabei muss die Krankheitsgeschichte des Patienten berücksichtigt werden. Deshalb
bieten wir verschiedene Formen einer vollwertigen Ernährung und Vitalkost
(ausgewogenen Form der Makrobiotik) aber auch alle medizinisch erforderlichen
Diäten an. Darüber hinaus können Patienten in unserem Haus die ayurvedische
Ernährung kennen lernen.
Bei vielen Patienten ist es schon vor der Diagnosestellung, dann aber auch in
der Phase der Operation und der eventuellen Chemotherapie zu einer deutlichen
Gewichtsabnahme gekommen. Hier setzt eine gezielte Ernährungstherapie unter
Berücksichtigung der verschiedenen Diätformen ein. Wo erforderlich, kann eine
unterstützende, über die Vene gegebene Ernährung erfolgen. Nach ausgedehnten
Darmoperationen ist die Verträglichkeit verschiedener Nahrungsmittel
eingeschränkt. Deshalb ist eine enge und individuelle Betreuung durch die
Diätassistentinnen während der gesamten Zeit von hoher Bedeutung.
Ganzheitliche Medizin bedeutet für den Krebspatienten eine Berücksichtigung
aller Dimensionen des Lebens, also neben rein körperlichen Gesichtspunkten auch
die geistigen und seelischen Aspekte.
Viele Therapieansätze aus der Ganzheitsmedizin zielen nicht direkt auf die
Zerstörung des Tumors sondern auf die Stärkung der körpereigenen Kräfte und die
die Förderung der Gesundung (Salutogenese).
Eine begleitende und wieder aufbauende psychologische Betreuung soll die
Erfahrung der lebensbedrohlichen Erkrankung überwinden helfen und ein positives
Gestalten der eigenen Zukunft ermöglichen. Speziell onkologisch erfahrene
Psychotherapeuten begleiten unsere Patienten in Gruppentherapien und
Einzeltherapien. Durch Einzeltherapien ist es möglich, nicht nur die
unmittelbare Verarbeitung der Krebsdiagnose, sondern auch in der
Lebensgeschichte der Patientin liegende Probleme zu thematisieren und gezielt zu
bearbeiten.
Es gelingt so sogar für Patienten in einem fortgeschrittenen
Krankheitsstadium, die Lebensqualität deutlich zu verbessern. Wir gehen davon
aus, dass durch diese Verbesserung der Lebensqualität auch die körpereigenen
Abwehrkräfte gestärkt werden.
Wesentlich tragen die Mitarbeiter der Krankengymnastik und der Bäder- und
Massageabteilung dazu bei, dass der Patient körperliches Wohlbefinden
wiedererlangt. Im Rahmen der Krankengymnastik, Sporttherapie und in der
Massage- und Bäderabteilung werden verschiedene Therapieformen eingesetzt, um
gezielt die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern und wieder Zutrauen in
den eigenen Körper zu finden und auch auf diesem Weg einen höhere Lebensqualität
zu erreichen.
Bei der Diagnose Krebs taucht bei vielen Patienten die Frage nach dem Sinn
auf. Hier bietet unsere Klinik einzigartige Möglichkeiten, auf freiwilliger
Basis verschiedene Angebote zu nutzen, um sich mit diesem Thema
auseinanderzusetzen. Hierzu gehören vorbereitend Entspannungsverfahren und ein
nicht konfessionell gebundenes spirituelles Angebot von Meditationen über
Sakralen Tanz zum gemeinsamen Singen.
Wesentlich zur Wiedererlangung der eigenen Kräfte und Freude am eigenen
Schaffen ist die freiwillige Teilnahme am kreativen Angebot.
Patienten, die mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen in unser Haus kommen,
werden umfassend und vertrauensvoll über das für und wider jedes
Behandlungsschrittes sorgfältig in Gespräch zwischen Arzt und Patient
aufgeklärt.
Die Behandlung von Schmerzen ist ein vorrangiges Ziel einer
interdisziplinären Sichtweise von Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und
Psychologen.
Stand 22.06.07