Habichtswald-Klinik Kassel
Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie
Chemotherapien werden eingesetzt, um bösartige Krebszellen
abzutöten. In den letzten Jahren hat die Forschung zahlreiche Substanzen
entdeckt, die auf unterschiedlichen Wegen zum Absterben von Tumorzellen führen
können.
Alle Chemotherapiemittel greifen nicht nur Krebszellen, sondern auch gesunde
Körperzellen an und führen auf diesem Weg zu Nebenwirkungen. Verschiedene
Chemotherapiemittel haben unterschiedliche Nebenwirkungsprofile. Durch eine
geschickte Zusammensetzung verschiedener Medikamente kann die Wirkung auf den
Tumor verstärkt werden, ohne dass die Nebenwirkung in einem bestimmten Bereich
unerträglich oder lebensgefährlich wird.
Gegen viele Nebenwirkungen von Chemotherapien gibt es gute Hilfsmittel, diese
reichen von Medikamenten zur Stimulierung der Bildung von roten und weißen
Blutkörperchen über Medikamente gegen Übelkeit, Erbrechen und Durchfall hin zu
Schmerzmitteln. Auch die Naturheilkunde kann in einigen Bereichen Erleichterung
bringen.
Ein nicht unwesentlicher Faktor in der Verträglichkeit von Chemotherapien ist
die positive Einstellung der Patienten zur Therapie und die psychoonkologische
Begleitung der Patienten.
Die Gabe der Chemotherapie
Chemotherapien werden meistens über eine Vene als Infusion, seltener als
Injektion gegeben. Hierbei wird entweder eine kleine Verweilkanüle in eine Vene
gelegt, bei einigen Chemotherapien ist es jedoch von Vorteil, wenn der Katheter
in einer großen Vene liegt, also als zentral-venöser Katheter verwendet wird.
Ein für die Patienten sehr komfortables Verfahren ist in diesen Fällen ein sog.
Port, der mit einem kleinen, in örtlicher Betäubung durchführbaren Eingriff
unterhalb des Schlüsselbeines eingesetzt wird und bei Bedarf mit speziellen
Nadeln fast schmerzlos punktiert werden kann.
Paravasat: Eine Gefahr besteht darin, dass die Flüssigkeit nicht das
Blutgefäß läuft, sondern in das Gewebe. Es entsteht ein sog. Paravasat. Dies
kann passieren, wenn der kleine Katheter z. B. bei einer unglücklichen Bewegung
verrutscht oder das Blutgefäß platzt, was z. B. bei sehr empfindlichen Venen
passieren kann.
Einige Chemotherapiemittel können in diesen Fällen das Gewebe reizen oder
sogar zum Untergang von Zellen und Gewebe führen. Dann entwickelt sich eine sog.
Nekrose, die später die Funktion des Armes erheblich einschränken kann. Deshalb
ist ein sofortiger Stopp der Infusionen ganz wichtig. Anschließend gibt es
unterschiedliche Empfehlungen für das weitere Vorgehen je nachdem, welches
Medikament in der Infusion war, die streng eingehalten werden sollten.
Einige Chemotherapiemittel stehen in Tablettenform zur Verfügung.
Die häufigsten Nebenwirkungen und Hilfestellungen, die Sie selber anwenden
können Veränderungen des Blutbildes
Unter der Chemotherapie kommt es meistens zu einem Abfall der weißen
Blutkörperchen, oft auch der roten Blutkörperchen und der Blutplättchen. Dies
können Sie selber praktisch nicht beeinflussen, wichtig ist die regelmäßige
Blutbildkontrolle, Ihr Arzt wird Ihnen sagen, wenn die Injektion von
entsprechenden Wachstumsfaktoren erforderlich ist.
Es gibt Hinweise, dass eine gesunde, ausgewogene Ernährung die Blutbildung
unterstützen kann.
Aus naturheilkundlicher Sicht wird oftmals die Anwendung von Mistel- oder
Thymuspräparaten empfohlen. Diese haben bei den meisten Tumorerkrankungen keine
negativen Auswirkungen auf die Chemotherapie. Vorsicht ist jedoch geboten bei
Lymphomen und Leukämien, für die durch die Immunstimulation ein Wachstumsreiz
entstehen könnte. Mistel und Thymus können häufig einen stärkeren Abfall der
weißen Blutkörperchen nicht verhindern, dann müssen pharmazeutisch hergestellte
Wachstumsfaktoren angewandt werden.
Da bei einer starken Verringerung der weißen Blutkörperchen ein erhöhtes
Infektionsrisiko besteht, sollten Sie verstärkt auf Sauberkeit und Körperhygiene
achten. Außerdem sollten Sie den Kontakt mit Personen, die einen Infekt haben,
meiden, dies gilt auch für größere Menschenansammlungen und fremde
Haustiere.
Kommt es zu einer Verminderung der roten Blutkörperchen, einer sog. Anämie,
so kann dies in ausgeprägteren Fällen zu einer Minderversorgung von Organen mit
Sauerstoff führen. Dies äußert sich in Kurzatmigkeit, Schwächegefühl, Müdigkeit,
evtl. auch Schwindelattacken.
In diesen Fällen sollten Sie sich ausreichend Ruhephasen gönnen, evtl. müssen
Sie körperliche Aktivitäten einschränken. Sie sollten mit Ihrem Arzt darüber
sprechen, welche Therapie geeignet ist und ob ggf. eine Blutübertragung
hilfreich sein kann.
Auch für die roten Blutkörperchen gibt es spezielle Wachstumsfaktoren
(Erythropoeitin). Nachdem vor einigen Jahren schon Beobachtungen veröffentlicht
wurden, die einen schlechten Verlauf der Tumorerkrankung unter Erythropoeitin
vermuten ließen, nahm man lange an, dass dies nur bei zu hohem Anstieg des roten
Blutfarbstoffes der Fall ist. Neueste Untersuchungen zeigen, dass bei einigen
Tumorerkrankungen Tumorzellen Rezeptoren für Erythropoeitin auf ihrer Oberfläche
haben und vermutlich im Wachstum angeregt werden können. Hier sind dringend
weitere Forschungen nötig und der Einsatz von Erythropoeitin sollte sehr
sorgfältig erwogen werden.
Kommt es zu einer Verminderung der Blutplättchen, die für die Blutgerinnung
verantwortlich sind, so sollten Sie darauf achten, Verletzungsgefahren zu
vermeiden, bei Zahnfleischbluten sollten Sie eine weiche Zahnbürste oder ggf.
eine Munddusche verwenden.
Fatigue
Fatigue heißt Erschöpfung und Müdigkeit. Sie tritt zusammen mit einer Anämie
(Blutarmut) auf, kann aber auch durch die Krebserkrankung oder die Therapie
direkt verursacht sein. Ggf. muss die Anämie mit einer Blutübertragung behandelt
werden (siehe oben).
Die Einnahme von Eisen sollte nur erfolgen, wenn ein Eisenmangel nachgewiesen
ist. Die meisten Tumorpatienten haben eher zu hohe Eisenspeicherwerte
(Ferritin), da der Körper das Eisen nicht verwertet, so dass die zusätzliche
Einnahme von Eisenpräparaten eher kontraproduktiv ist.
Fatigue kann auch längere Zeit nach der Therapie anhalten, bei einigen
Patienten bleibt sie über Monate und Jahre bestehen.
Fatigue äußert sich in Müdigkeit, körperlicher Schwäche und
Konzentrationsstörungen, evtl. auch in Appetitlosigkeit und allgemeiner
Unlust.
Ist eine Anämie als Ursache der Fatigue ausgeschlossen, so sollten Sie
versuchen, Ihren eigenen Körperrhythmus zu finden und Ihre Energie für die
Tätigkeiten aufzusparen, die Ihnen wichtig sind. Teilen Sie Ihren Tag so ein,
dass Sie mehrere Pausen einlegen können.
Grundsätzlich gilt, dass für Fatigue-Patienten leichte körperliche
Aktivitäten in Form eines leichten Ausdauertrainings wie z. B. Spazierengehen
und Radfahren hilfreich sind.
Viele Patienten schöpfen Kraft aus Entspannungsverfahren wie Autogenem
Training oder Progressiver Muskelentspannung nach Jacobson, Yoga und
Meditationen.
Eine gesunde ausgewogene Ernährung, verteilt auf mehrere kleine Mahlzeiten am
Tag, kann ebenfalls hilfreich sein.
Bei Fatigue ist es wichtig zu wissen, dass es sich um eine bei Krebspatienten
häufige Folgeerscheinung handelt. Die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe und
der Gedankenaustausch mit gleichermaßen Betroffenen kann hilfreich sein.
Übelkeit und Erbrechen
Viele Chemotherapiemittel können zu Übelkeit und Erbrechen führen. In der
Regel bekommen Sie als Patient von Ihrem Arzt bereits zur Chemotherapie
Medikamente, die Sie auch an den folgenden Tagen einnehmen können. Bei einigen
Chemotherapien kommt es wenige Tage nach der Gabe der Medikamente zu einer
zweiten Welle von Übelkeit und Erbrechen, dann müssen in der Regel andere
Medikamente als in der ersten Phase eingesetzt werden.
Sollte es nach dem ersten Zyklus der Chemotherapie zu Übelkeit gekommen sein,
sollten Sie Ihren Arzt darüber informieren, damit er zum zweiten Zyklus die
Medikamente noch einmal auf Ihre Bedürfnisse abstimmen kann.
Einige Patienten entwickeln schon vor Gabe der Chemotherapie Übelkeit, dies
ist ein reflexartiger Mechanismus in Erwartung der einsetzenden Übelkeit.
Hiergegen kann es hilfreich sein, während Chemotherapie z. B. entspannende
Musik zu hören oder ein schönes Buch zu lesen.
Nach der Chemotherapie ist es sinnvoll, mehrere kleine Mahlzeiten zu sich zu
nehmen und reichlich in kleinen Portionen zu trinken.
Essen Sie das, worauf Sie Lust oder Appetit haben, vermeiden Sie stark
riechende oder stark gewürzte Speisen. Nach den Mahlzeiten sollten Sie
versuchen, etwas Ruhe einzuhalten.
Gegen morgendliche Übelkeit kann etwas Zwieback oder Toast vor dem Aufstehen
helfen.
Bei Geschmacksstörungen kann das Lutschen von Pfefferminzbonbons hilfreich
sein.
Auch angenehme Düfte in Ihrer Umgebung können Linderung verschaffen.
Appetitlosigkeit
Appetitlosigkeit ist ein Problem vieler Patienten während der Chemotherapie,
auch wenn keine Übelkeit oder Erbrechen bestehen. Länger anhaltende
Appetitlosigkeit führt zu Gewichtsverlust und Schwäche. Deshalb sollten Sie
versuchen, über einen individuellen Ernährungsplan genügend Nährstoffe zu sich
zu nehmen. Eine spezielle Krebsdiät gibt es nicht.
Versuchen Sie, Speisen appetitanregend zuzubereiten, möglichst vielfältig zu
essen und achten Sie auf eine ausreichende Vitaminzufuhr. Denken Sie jedoch
daran, dass es bei ausgeprägter Appetitlosigkeit sinnvoller sein kann, sich mit
leichten Speisen wie Pudding, Milchspeisen, Milchshakes und Eiscreme zu ernähren
als ganz auf das Essen zu verzichten.
Es gibt Medikamente, die die Beweglichkeit der Muskeln im Magen-Darm-Trakt
verbessern und auch gegen Appetitlosigkeit helfen können. Auch einige
pflanzliche Medikamente helfen, z. B. die sog. Bittermittel.
Durchfall
Einige Medikamente, die in der Chemotherapie eingesetzt werden, können
Durchfälle verursachen. In diesen Fällen wird Ihr Arzt Sie mit entsprechenden
Medikamenten und einer Einnahmevorschrift versorgen.
Lang anhaltender Durchfall führt zu Flüssigkeits- und Salzverlust. Deshalb
sollten Sie auf eine ausreichende Trinkmenge achten.
Die Ernährung sollte aus leicht verdaulichen Speisen mit hohem Eiweiß- und
Kohlenhydratgehalt, die jedoch nicht zu viele Ballaststoffe enthalten sollten,
bestehen. Süße und fetthaltige Speisen werden in der Regel nicht gut vertragen.
Bei Durchfällen sollten sie koffeinhaltige Getränke, Alkohol und Nikotin
vermeiden.
Hilfreich sind fein geriebene Äpfel über den Tag verteilt.
Nach jedem Stuhlgang sollte die Haut im Analbereich gut gesäubert und
eingecremt werden. Wenn die Haut wund wird, können neben einer Wundcreme
lauwarme Sitzbäder mit Kamillentee hilfreich sein.
Verstopfung (Obstipation)
Einige wenige Chemotherapiemittel führen nicht zu Durchfällen, sondern zur
Verstopfung. Auch manche Begleitmedikamente, insbesondere gegen Übelkeit oder
gegen Schmerzen, können Verstopfung hervorrufen.
In diesen Fällen sollten Sie mit Ihrem Arzt über geeignete Medikamente
sprechen.
Durch die Auswahl geeigneter Nahrungsmittel (ballaststoffreich) können Sie
selber bei der Therapie mithelfen. Auch sollten Sie auf ausreichende
Flüssigkeitszufuhr achten. Bewegung regt die Darmtätigkeit an, so dass Se
versuchen sollten, täglich ein oder zwei Spaziergänge u machen.
Entzündungen im Mund- und Rachenbereich
Bei einigen Chemotherapien kann es zu Entzündungen der Mundschleimhaut
kommen. Sind gleichzeitig die weißen Blutkörperchen vermindert, so besteht eine
erhöhte Infektionsgefahr.
Diese Gefahr ist besonders groß, wenn Entzündungs- oder Infektionsherde im
Bereich der Zähne vorhanden sind. Sprechen Sie deshalb mit Ihrem Zahnarzt
darüber. Außerdem sollten sie darauf achten, dass eine eventuell vorhandene
Prothese gut sitzt und nicht zu wunden Stellen führt.
Während der Chemotherapie ist eine gute Mundhygiene eine wesentliche
Voraussetzung. Sie sollten den Mund nach jedem Essen reinigen und hierbei eine
weiche Zahnbürste oder Munddusche verwenden. Die Zahnbürste sollte häufig
gewechselt werden. Auch Wattestäbchen können bei der Reinigung hilfreich
sein.
Bei Entzündungen im Mundbereich sollten Sie harte Lebensmittel sowie saure
und scharf gewürzte Speisen vermeiden.
Zum Mundspülen eignen sich Mundwässer, wobei Sie jedoch keine alkoholhaltigen
verwenden sollten. Eine gute Möglichkeit zum Mundspülen bieten Kamillen- oder
Salbeitee.
Mundtrockenheit
Mundtrockenheit kann während der Chemotherapie, häufiger jedoch während einer
Bestrahlung auftreten. Hilfreich ist es hierbei, reichlich Flüssigkeiten zu
trinken und immer ein Glas Wasser neben sich stehen zu haben.
Ob Ihnen das regelmäßige Lutschen von zuckerfreien Frucht- oder
Pfefferminzbonbons hilft oder das Kauen von Kaugummis, müssen Sie selber
ausprobieren.
In der Apotheke gibt es feuchte, wattestäbchenähnliche Träger mit
Zitronengeschmack zum Anfeuchten der Mundschleimhaut.
Verschiedene Firmen bieten Produkte wie Mundwasser, Kaugummis und künstlichen
Speichel an. Die Akzeptanz ist bei den Patienten sehr unterschiedlich und muss
individuell ausgetestet werden.
Haarausfall (Alopezie)
Viele, aber keineswegs alle Chemotherapiemittel verursachen vorübergehenden
Haarausfall. Davon sind in erster Linie die Kopfhaare betroffen, aber manchmal
auch Augenbrauen, Wimpern oder Schamhaare. Meist beginnt der Haarausfall 2-3
Wochen nach Therapiebeginn. Fast immer wachsen die Haare nach Ende der
Chemotherapie wieder nach. Häufig ist das Haar dann sogar kräftiger, dunkler
oder lockig.
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, ob ein Haarausfall bei Ihrer Therapie
wahrscheinlich ist. In diesem Fall sollten Sie sich bereits zuvor eine Perücke,
die Ihrem Haar genau angeglichen ist, in einem entsprechenden Fachgeschäft
aussuchen. Die Perücke kann vom Arzt verordnet werden, die Kosten übernimmt die
Krankenkasse.
Während der Chemotherapie sollten Sie mit Ihren Haaren vorsichtig umgehen,
also keine scharfen Shampoos verwenden, möglichst nicht fönen, keine
Lockenwickler anwenden und nur vorsichtig kämmen, auch das Färben sollten Sie
vermeiden.
Haut- und Nagelveränderungen
Einige Chemotherapien führen zu Veränderungen insbesondere im Bereich der
Hand- und Fußflächen, dem sog. Hand-Fuß-Syndrom. Tritt dies ein, so sollten Sie
mit Ihrem Arzt darüber sprechen, damit er die Chemotherapie anpassen kann.
Handelt es sich nur um leichte Veränderungen, so können diese über die
Chemotherapiezeit hin toleriert werden. Sie bilden sich nach Ende der
Chemotherapie komplett zurück.
Haben Sie eine Chemotherapie bekommen und wird danach eine Bestrahlung
durchgeführt, so kann es zu einer entzündlichen Hautveränderung kommen, die
ausgeprägter ist als bei alleiniger Strahlentherapie. Auch dies sollten Sie mit
den behandelnden Ärzten besprechen, die Ihnen entsprechende Hautschutzpräparate
verordnen können.
Wird Ihre Haut trocken und entwickelt sich Juckreiz, so sollten Sie langes,
heißes Baden vermeiden und eine rückfettende Salbe anwenden. Auch regelmäßige
Anwendung von Creme und Lotion kann hilfreich sein. Parfüm, Au de Cologne und
Aftershave mit Alkohol sollten Sie nicht benutzen.
Sonnenlichtempfindlichkeit
Während der Chemotherapie sollten Sie die direkte Einwirkung von Sonnenlicht
in der Mittagszeit vermeiden. Tragen Sie entsprechende Kleidung, halten Sie sich
hauptsächlich im Schatten auf oder verwenden Sie Sonnenschutzmittel mit hohem
Lichtschutzfaktor.
Allgemein sollten Sie keine enge, einschnürende Kleidung tragen.
Bei einigen Chemotherapien kommt es zu Veränderungen der Nägel. In diesen
Fällen sollten Sie besonders sorgfältige Nagelpflege betreiben oder
professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Vermeiden Sie vor allen Dingen
Entzündungen im Bereich des Nagelbettes.
Nerven- und Empfindungsstörungen und Muskelprobleme
Einige Chemotherapiemittel führen zu Schädigungen der Nerven, insbesondere
der langen Nervenfasern, die Hände und Füße versorgen. Am häufigsten sind die
sensiblen Nervenfasern betroffen, so dass es zu Taubheitsgefühl, aber auch
brennenden Schmerzen in Händen oder Füßen kommen kann. Bei einigen Patienten
führt dies zu Schwierigkeiten beim Gehen, da das Tastempfinden der Füße beim
Aufsetzen gestört ist oder zu Schwierigkeiten beim Arbeiten mit den Händen,
insbesondere bei feinmotorischen Arbeiten.
Beobachten Sie solche Störungen, sollten Sie mit Ihrem Arzt darüber reden,
der ggf. die Chemotherapie anpassen muss.
Wichtig ist zu wissen, dass sich die Störungen in den meisten Fällen nach
einiger Zeit, in der Regel innerhalb eines Jahres zurückbilden.
Bei Sensibilitätsstörungen sollten Sie darauf achten, Verletzungsgefahren an
den Händen zu vermeiden und nicht mit scharfen oder heißen Sachen zu hantieren,
Sie sollten auf Treppen und Leitern vorsichtig sein und sich sicherheitshalber
festhalten, außerdem sind feste bequeme Schuhe zu empfehlen.
Sind die Nervenschäden mit Schmerzen verbunden, so sollten Sie mit Ihrem Arzt
über eine geeignete Schmerztherapie reden.
Umstritten ist, ob die Gabe von hoch dosierten B-Vitaminen gegen
Sensibilitätsstörungen helfen kann, auch über die Infusion und anschließende
Gabe in Tablettenform der Substanz Alphaliponsäure wird unterschiedlich
berichtet.
Ist eine Sensibilitätsstörung eingetreten, so können Se versuchen, über
gezieltes Tasttraining mit im Haus vorhandenen alltäglichen Gegenständen das
Tastempfinden wieder anzuregen. Hierzu eignen sich weiche Bürsten, ein
Sisalschwamm, Igelbälle, verschieden beschaffene Stoffe, aber auch das Spiel mit
den Händen in einer Plastikwanne mit getrockneten Erbsen oder Linsen.
Harnblasenentzündung
Einige Chemotherapiemittel können zur Entzündung der Harnblase führen. Haben
Sie beim Wasser lassen Beschwerden wie z. B. brennende Schmerzen, so sollten Sie
mit Ihrem Arzt darüber sprechen. Es muss ausgeschlossen werden, dass
gleichzeitig eine Infektion besteht.
In der Regel wird der Arzt bei Chemotherapiemitteln, die die Harnblase
beeinträchtigen können, entsprechende Gegenmittel vor der Infusion und nachher
geben. Sie selber können durch eine hohe Trinkmenge die Blase vermehrt
durchspülen und somit einen Reiz durch konzentrierten Urin vermeiden.
Übersicht über die Nebenwirkungen der wichtigsten
Chemotherapiemedikamente
Bendamustin:
Häufig: Blutbildveränderungen
Selten: Übelkeit und Erbrechen, Obstipation, Durchfall
Sehr selten: Hautveränderungen, Haarausfall, Hautausschlag,
Nervenschädigung
Bleomycin:
Häufig: Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Haarausfall,
Schleimhautentzündungen, leichte Blutbildveränderungen, Lungenentzündungen und
Lungenfibrose
Selten: grippeartige Symptomatik, Juckreiz, Ödeme, allergieartige Reaktion
bis zum allergischen Schock (Vormedikation mit Testdosis)
Busulfan:
Häufig: Blutbildveränderungen, Übelkeit und Erbrechen, Hautveränderungen,
Haarausfall
Selten: Lungenfibrose, Gynäkomastie, Fibrose der Herzinnenhaut (Endokard),
Fibrose des Bindegewebes retroperitoneal, blutende Blasenentzündung,
Blutdruckabfall, Lebererkrankungen
Capecitabin:
Häufig: Hautreaktionen (Hand-Fuß-Syndrom)
Selten: Blutbildveränderungen, Übelkeit und Erbrechen,
Mundschleimhautentzündung, Durchfall, Störungen der Herzfunktion
Sehr selten: Haarausfall
Carboplatin:
Häufig: Blutbildveränderungen, Übelkeit und Erbrechen, Haarausfall, Hau- und
Nagelreaktionen, Fieber, allergische Reaktionen
Selten: Appetitlosigkeit, Nervenschädigungen, lokale Reaktionen an der
Einstichstelle, Mundschleimhaut- und Zahnfleischentzündung, in sehr hoher Dosis:
Nieren- und Gehörschäden
Sehr selten: Leberfunktionsstörungen, Störungen der Herzfunktion
Chlorambucil:
Häufig: Blutbildveränderungen, geringgradiges Erbrechen und Übelkeit
Selten: Lungenfibrose, Haarausfall, Nervenschädigung, Harnblasenentzündung,
Fieber, Lebererkrankung
Cisplatin:
Sehr häufig: Übelkeit und Erbrechen
Häufig: Blutbildveränderungen, Appetitlosigkeit, Nierenschädigung,
Nervenschädigungen, allergische Reaktionen
Selten: Haarausfall, Mundschleimhautentzündung, Nierenschädigung, Fieber,
lokale Reizungen an der Einstichstelle
Sehr selten: Haut- und Nagelreaktionen, Leberfunktionsstörung
Cyclophosphamid:
Sehr häufig: Blutbildveränderungen, Haarausfall
Häufig: Übelkeit und Erbrechen, Blasenschädigung
Selten: Mundschleimhautentzündung, Appetitlosigkeit, Haut- und
Nagelreaktionen, Leberfunktionsstörung, allergische Reaktionen
Sehr selten: Fieber, Herzmuskelschäden, lokale Reizungen an der
Einstichstelle
Cytarabin:
Häufig: Blutbildveränderungen, bei hoch dosierter Gabe schwere
Lungenschädigung, Übelkeit und Erbrechen, Schleimhautentzündungen, Durchfall,
Appetitlosigkeit, Hautveränderungen, Haarausfall, Nervenschädigungen,
Schädigungen der Gehirnfunktion
Selten: Fieber, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Knochenschmerzen,
grippeartige Symptomatik, Bauchspeicheldrüsenentzündung
Dacarbacin:
Häufig: Blutbildveränderungen, Übelkeit und Erbrechen, leichte
Leberfunktionsstörungen, Haarausfall, Hautveränderungen, allergische
Reaktionen
Selten: grippeartige Beschwerden, Schleimhautentzündungen,
Lebervenenverschlusssyndrom, Nierenfunktionsstörungen, zentralnervöse
Störungen
Docetaxel:
Sehr häufig: Blutbildveränderungen
Häufig: Haarausfall, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Fieber, allergische
Reaktionen, Wassereinlagerung (Ödembildung)
Selten: Mundschleimhautentzündung, Haut- und Nagelreaktionen,
Nervenschädigungen, lokale Reizungen an der Einstichstelle
Sehr selten: Leberfunktionsstörung
Doxorubicin, liposomales:
Sehr häufig: Haarausfall, Blutbildveränderungen
Selten: Übelkeit und Erbrechen, Mundschleimhautentzündungen,
Lungentoxizität
Sehr selten: Haut- und Nagelreaktionen, Herzmuskelschäden, lokale Reizungen
an der Einstichstelle
Doxorubicin, pegyliertes liposomales:
Häufig: Hautreaktionen (Hand-Fuß-Syndrom) Blutbildveränderungen
Selten: Übelkeit und Erbrechen, Mundschleimhautentzündungen,
Lungentoxizität
Sehr selten: Beeinträchtigung der Herzfunktion, Haarausfall
Epirubicin:
Sehr häufig: Blutbildveränderungen, Haarausfall
Häufig: Übelkeit und Erbrechen, Herzmuskelschäden, lokale Reizungen ander
Einstichstelle
Selten: Mundschleimhautentzündung, Appetitlosigkeit
Sehr selten: Haut- und Nagelreaktionen, Fieber, allergische Reaktionen
Etoposid:
Sehr häufig: Haarausfall
Häufig: Blutbildveränderungen, Übelkeit und Erbrechen,
Mundschleimhautentzündung, Haut- und Nagelreaktionen, allergische Reaktionen
Selten: Fieber, Leberfunktionsstörung, Nervenschädigungen
Sehr selten: Durchfall, Herzmuskelschäden, lokale Reizungen an der
Einstichstelle
5-Fluorouracil:
Häufig: Blutbildveränderungen, Mundschleimhautentzündung, Appetitlosigkeit,
Haut- und Nagelreaktionen
Selten: Übelkeit und Erbrechen, Fieber, Herzmuskelschäden, lokale Reizungen
an der Einstichstelle
Sehr selten: Leberfunktionsstörung, Nervenschädigungen, allergische
Reaktionen
Die Verträglichkeit von 5-Fluorouracil ist genetisch bedingt unterschiedlich.
Es ist möglich, vor Beginn der Therapie aus einer Blutprobe einen Test zu
machen, ob die Verträglichkeit zu erheblichen Problemen führen wird. Dieser Test
wird leider derzeit von Krankenkassen nicht bezahlt.
Gemcitabin:
Häufig: Blutbildveränderungen
Selten: Übelkeit und Erbrechen, Fieber und Grippegefühl, Hautausschlag,
allergische Reaktionen
Sehr selten: Haarausfall, lokale Reizungen an der Einstichstelle
Hydroxyharnstoff:
Häufig: Blutbildveränderungen, mäßiggradige Übelkeit und Erbrechen,
Appetitlosigkeit, leichte Leberfunktionsstörungen
Selten: akute Lungenschädigung, Schleimhautentzündungen, Durchfall,
Obstipation, Nierenfunktionsstörung, Pigmentstörungen der Haut, Haarausfall,
Nervenschädigung, grippeartige Symptomatik
Ifosfamid:
Häufig: Blutbildveränderungen, Übelkeit und Erbrechen,
Schleimhautentzündungen, Durchfall, Appetitlosigkeit, leichte
Leberfunktionsstörungen, Harnblasenentzündungen, häufig, weitere
Hautveränderungen
Selten: Nierenfunktionsstörungen, Schädigung des Gehirns,
Nierenfunktionsstörungen
Zum Schutz der Harnblase vor einer blutigen Entzündung wird zur Therapie die
Substanz Mesna gegeben.
Irinotecan (CPT11):
Häufig: Blutbildveränderungen, Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit,
verzögert einsetzende Durchfälle, Schleimhautentzündungen, Haarausfall
Selten: sog. cholinerges Frühsyndrom mit akutem Durchfall, Fieber,
Leistungsminderung
Melphalan:
Häufig: Blutbildveränderungen, Übelkeit und Erbrechen,
Schleimhautentzündungen, Appetitlosigkeit
Selten: Haarausfall, Hautveränderungen, Juckreiz, Lungenfibrose
Methotrexat:
Sehr häufig: Blutbildveränderungen, Leberfunktionsstörung
Häufig: Übelkeit und Erbrechen, Mundschleimhautentzündung, Appetitlosigkeit,
Haut- und Nagelreaktionen, Fieber, Nierenschädigung, allergische Reaktionen
Selten: Haarausfall, Lungentoxizität
Sehr selten: Herzmuskelschäden, Nervenschädigungen
Mitoxantron:
Sehr häufig: Blutbildveränderungen
Häufig: Übelkeit und Erbrechen, Mundschleimhautentzündung, Haarausfall,
Herzmuskelschäden
Selten: Appetitlosigkeit, Haut- und Nagelreaktionen, Fieber, allergische
Reaktionen, lokale Reizungen an der Einstichstelle
Sehr selten: Leberfunktionsstörung
Oxaliplatin:
Häufig: Leichte Blutbildveränderungen, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, in
der Regel vorübergehende Nervenschädigung
Selten: allergische Reaktionen
Paclitaxel:
Sehr häufig: Blutbildveränderungen, Haarausfall
Häufig: Übelkeit und Erbrechen, Haut- und Nagelreaktionen,
Nervenschädigungen, allergische Reaktionen, Magen-Darm-Beschwerden
Selten: Mundschleimhautentzündung, Appetitlosigkeit, Leberfunktionsstörung,
Herzfunktionsstörungen
Sehr selten: Lokale Reizungen an der Einstichstelle, Fieber
Topotecan:
Sehr häufig: Blutbildveränderungen
Häufig: Übelkeit und Erbrechen, Haarausfall
Selten: Mundschleimhautentzündung, Appetitlosigkeit, Fieber
Sehr selten: Nervenschädigungen, allergische Reaktionen, Haut- und
Nagelreaktionen
Treosulfan:
Häufig: Blutbildveränderungen
Selten: Übelkeit und Erbrechen, Mundschleimhautentzündung,
Leberfunktionsstörung, allergische Reaktionen
Sehr selten: Haarausfall, Herzmuskelschäden, Nervenschädigungen
Vincristin:
Häufig: leichte Blutbildveränderungen, Obstipation, Übelkeit und Erbrechen,
Schleimhautentzündungen, mäßiggradiger Haarausfall, dosisabhängige periphere
Nervenschädigung
Selten: kardiovaskuläre Störungen, Bluthochdruck, Hypotonie, akute
interstitielle Lungenentzündungen, Nierenfunktionsstörungen, Harnverhalt,
paralytischer Ileus
Vinorelbin:
Häufig: Blutbildveränderungen, Nervenschädigungen, Obstipation, lokale
Reizungen an der Einstichstelle
Selten: Übelkeit und Erbrechen, Mundschleimhautentzündung, Haut- und
Nagelreaktionen, Fieber, Leberfunktionsstörung, allergische Reaktionen
Sehr selten: Haarausfall, Herzmuskelschäden
Stand 22.06.07