Habichtswald-Klinik Kassel
Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie
Der Krebs der Eierstöcke ist der zweithäufigste Tumor der weiblichen
Geschlechtsorgane. Durch fehlende Frühsymptome wird ein Ovarialkarzinom bei 70%
aller Erkrankten erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert.
Ein hoher Stellenwert kommt deshalb einer sorgfältigen Therapieplanung zu,
die alle Möglichkeiten der modernen Medizin berücksichtigt, um die ungünstige
Prognose des Ovarialkarzinoms zu verbessern.
Ursachen und Vorbeugung
Umweltfaktoren, insbesondere Ernährung und Umweltgifte, werden immer wieder
als Ursache von bösartigen Tumoren bestätigt. Für das Ovarialkarzinom scheint es
diese Zusammenhänge aber nicht in relevantem Maße zu geben.
Man nimmt hingegen an, dass natürlich erscheinende Vorgänge für die
Entstehung des Ovarialkarzinoms als Hauptursache verantwortlich sind. Sehr
deutliche Hinweise auf einen Zusammenhang mit der Entstehung gibt es bezüglich
des Menstruationszyklus, also des Vorganges, der jeder Frau von Natur aus eigen
ist.
Häufige fruchtbare Zyklen, ohne dass es dabei zu einer Schwangerschaft kommt,
stellen den höchsten Risikofaktor dar, zunehmendes Alter muss auch genannt
werden. Ein reduziertes Risiko weisen Frauen auf, die entweder viele Kinder
bekommen haben oder jahrelang die "Pille" nahmen. So ist davon auszugehen, dass
die Zahl der Eisprünge insgesamt im Leben einer Frau im direkten Zusammenhang
mit der Entstehung des Ovarialkarzinoms steht.
Trotzdem muss nicht jede Frau, die weder viele Kinder bekam noch lange Jahre
mit der „Pille“ verhütet hat, befürchten, am Ovarialkarzinom zu erkranken;
weitere Faktoren, die bisher unbekannt sind, müssen berücksichtigt werden.
Etwa 5% aller Ovarialkarzinome sind genetisch bedingt. Mutationen der Gene
BRCA1 und BRCA2, die auch bei der Entstehung von Brustkrebs eine Rolle
spielen, werden für 90% aller Ovarialkarzinome verantwortlich gemacht. Eine
Sonderform stellt das Lynch-Syndrom dar, bei dem Anlagen für Ovarialkarzinom und
Darmkrebs gleichzeitig
vererbt werden. Im Falle des erblichen Ovarialkarzinoms ist eine genetische
Beratung wichtig.
Hinweise auf ein erbliches Mamma- und Ovarialkarzinom sind:
· Familien mit mind. zwei
Erkrankten an Mammakarzinom (Brustkrebs) und/oder Ovarialkarzinom, davon mind.
eine unter 50 Jahren oder 3 Erkrankte an Mamma- oder Ovarialkarzinom über 50
Jahren.
· Familien mit einer an
einseitigem Mammakarzinom Erkrankten unter 31 Jahren oder beidseitigem
Mammakarzinom unter 41 Jahren.
· Familien mit einer an
Ovarialkarzinom Erkrankten unter 41 Jahren
· Familien mit einer an
Mamma- und Ovarialkarzinom Erkrankten.
· Familien mit einem an
Mammakarzinom männlichen Erkrankten.
Diagnose
Ovarialkarzinome sind lange symptomarm und werden deshalb meist erst spät
erkannt. Symptome können sein: Druckgefühl oder Schmerzen im Bauchbereich,
Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Störungen beim Wasser lassen, Umfangszunahme
des Bauches durch eine Flüssigkeitsbildung (Aszites), Störungen der
Regelblutung, Störungen der Darmbewegung.
Bei der Diagnosestellung sind die Anamnese sowie die klinische und
gynäkologische Untersuchung Voraussetzung. Bei den Laboruntersuchungen kann der
Tumormarker CA 125, ggf. auch der Tumormarker CEA erhöht sein. Bei
Keimzelltumoren erfolgt der Nachweis von Beta-HCG und AFP. Diese Tumormarker
sind zur Verlaufskontrolle, nicht jedoch zur Diagnosestellung oder zur
Vorsorgeuntersuchung geeignet.
Als bildgebende Verfahren werden eingesetzt die Ultraschalluntersuchung des
Bauchraumes und die vaginale Ultraschalluntersuchung. Ergänzend kommen eine
Röntgenuntersuchung der Brustorgane, eine Darstellung der Harnabflusswege sowie
ein CT oder MRT des Bauchraumes hinzu. Zur OP-Vorbereitung sind außerdem
erforderlich eine Blasenspiegelung und eine Enddarmspiegelung erforderlich.
Feingewebliche Untersuchung und Stadieneinteilung
In der feingeweblichen Untersuchung werden unterschieden sog. epitheliale
Tumoren (65%), die seltenen Stromatumoren (7%) sowie die Keimzelltumoren (12%)
und Borderline-Tumoren (6%). Letztere zeigen von den Zellstrukturen her
Charakteristika bösartiger Zellen, sind jedoch nicht invasiv.
Die Ausbreitung (Metastasierung) der Ovarialkarzinome erfolgt über die
Lymphwege in die Lymphknoten sowie über Blutwege in Leber, Lunge, Gehirn, selten
in die Knochen. Außerdem kommt es zu einer lokalen Ausbreitung und einem Befall
des Bauchfelles.
Zur Stadieneinteilung des Ovarialkarzinoms werden zwei verschiedene Schemata
verwendet. Im TNM-System steht T für die Ausdehnung des Tumors, N für den
Lymphknotenbefall (Nodus) und M für die
Fernmetastasierung.
Im FIGO-System werden 4 Stadien differenziert:
|
I |
Tumor begrenzt auf die Ovarien |
|
Ia |
1 Eierstock betroffen, Kapsel intakt |
|
Ib |
Beide Eierstöcke betroffen, Kapsel intakt |
|
Ic |
Tumorzellen im Aszites |
|
II |
Tumorausbreitung im Becken |
|
IIa |
Befall von Gebärmutter und/oder Eileitern |
|
IIb |
Befall anderer Beckenorgane |
|
IIc |
Tumorzellen im Aszites |
|
III |
Metastasen auf dem Bauchfell außerhalb des Beckens |
|
IIIa |
Mikroskopischer Nachweis |
|
IIIb |
Tumorgröße unter 2 cm |
|
IIIc |
Tumorgröße über 2 cm |
|
IV |
Fernmetastasen außerhalb des Bauchfells |
Therapie
Die Therapie der Ovarialtumoren erfolgt nach Diagnosesicherung und
entsprechend dem festgestellten Stadium.
Operation
Die wichtigste Behandlungsstrategie für das Ovarialkarzinom ist die
Operation.
Bei sehr kleinen Tumoren (Stadium Ia-b) und gut differenzierten
Tumorzellen kann bei noch bestehendem Kinderwunsch die Gebärmutter und der nicht
befallene Eierstock erhalten werden (sog. fertilitätserhaltende Operation),
ansonsten ist die Entfernung der Gebärmutter mit ihren Haltebändern, einem Teil
des Bauchfells und beiden Eierstöcken zur Erzielung einer Heilung notwendig. Von
entscheidender Bedeutung ist die Entfernung allen Tumorgewebes. Wird die
Diagnose erst bei einer weiteren Aussaat im Bauchraum gestellt, so ist zu
prüfen, ob zunächst mit einer Chemotherapie eine Verkleinerung zu erreichen ist.
Auf jeden Fall steht auch dann eine Operation an, deren Ziel die Entfernung
allen intraoperativ sichtbaren Tumorgewebes ist.
Die Operation sollte nur in
einem erfahrenen Zentrum erfolgen, evtl. müssen Gynäkologen mit Chirurgen
(Darmbefall) und/oder Urologen (Harnleiter-, Blasenbefall) in einer Operation
zusammenarbeiten.
Chemotherapie
Mit Ausnahme sehr kleiner Tumore und der so genannten „Borderline-Tumore“
soll ein Ovarialkarzinom nach der Operation zur Sicherheit mit einer
Chemotherapie behandelt werden. Ziel ist es, evtl. noch im Körper vorhandene
kleinste Tumorreste zu vernichten, bevor sie Metastasen bilden können. Als
Standard gilt die Kombination aus Carboplatin und Paclitaxel (TaxolR)
Carboplatin ist wesentlich besser verträglich als das früher verwendete
Cisplatin und kommt auch ohne aufwändige Begleitinfusionen aus, sodass die
Nachbehandlung des Ovarialkarzinoms mit Carboplatin und Paclitaxel meist
ambulant durchgeführt werden kann. Die Behandlung mit Paclitaxel bedarf einer
Vormedikation, um allergische Reaktionen zu unterdrücken.
Wiederauftreten des Ovarialkarzinoms (Rezidiv)
Ist es trotz aller Vorkehrungen zu einem Wiederauftreten des Ovarialkarzinoms
nach zunächst erfolgreicher Erstbehandlung gekommen, wird zunächst geprüft
werden, ob noch einmal operiert werden sollte. In der Regel wird der betroffenen
Frau erneut eine Chemotherapie angeboten, deren Zusammensetzung je nach
Zeitdauer zwischen Erstbehandlung und Wiederauftreten, Allgemeinzustand,
tumorbedingten Beschwerden und zu erwartenden Nebenwirkungen sehr genau
besprochen werden muss.
Die Patientin muss in die Therapieentscheidung von Anfang an eingebunden
werden. Wie auch bei einer Operation muss immer sorgfältig abgewogen werden, ob
das Verhältnis zwischen zu erwartendem Nutzen der Behandlung und möglichen
Risiken der Therapie in einem vernünftigen Verhältnis stehen. Dies kann nur mit
Sicherheit entschieden werden, wenn die Patientin in einem vertrauensvollen
Verhältnis zu ihrem Arzt über ihr individuelles Risiko, ihre Chancen und die für
sie möglichen Nebenwirkungen ausführlich informiert wurde.
Möglichkeiten einer erneuten Chemotherapie sind bei größerem Abstand des
Rezidivs von der ersten Chemotherapie eine Wiederholung der gleichen Kombination
oder der Einsatz von Carboplatin in der Einzeltherapie.
Weitere wirksame Substanzen sind Topotecan, Etoposid, Gemcitabin, sog.
pegyliertes liposomales Doxorubicin. Hierdurch kann häufig eine gute
Zurückbildung des Tumors, Linderung von Beschwerden und Steigerung der
Lebensqualität erreicht werden. Eine dauerhafte Heilung ist jedoch in der Regel
nicht mehr möglich. In ausgewählten Fällen sollte die Patientin zu einer zweiten
Operation vorgestellt werden.
Ob der Einsatz von Hochdosis-Chemotherapien in dieser Situation sinnvoll ist,
wird noch in Studien überprüft.
Des Weiteren ist der Stellenwert einer Chemotherapiegabe in die Bauchhöhle
(sog. intraperitoneale Chemotherapie) in der Diskussion. Sie wird in der Regel
mit einer ausgedehnten Operation, die versucht alle Tumorknoten zu
entfernen.
Neue Therapiemöglichkeiten
Aktuell wird in einigen Studien in Deutschland überprüft, ob eine gezielte
Immuntherapie mit einem spezifischen Impfstoff nach Abschluss der adjuvanten
Chemotherapie einen Vorteil bringt. Erste Ergebnisse werden erst in einigen
Monaten vorliegen. Auch neue Therapieansätze wie z. B. die Antiangiogenese
(siehe dort) werden untersucht.
Therapie von Keimzelltumoren
Die Keimzelltumoren stellen eine Sonderform der Ovarialtumoren dar. Im frühen
Stadium steht die alleinige Operation im Vordergrund. In den Stadien II-IV
erfolgt eine Chemotherapie mit den Substanzen Cisplatin, Etoposid und Bleomycin,
ggf. nach Abschluss der Chemotherapie eine Entfernung von Tumorresten.
Nachsorge
Die Nachsorgeuntersuchungen sollen relativ engmaschig, aber ohne großen
apparativen Aufwand durchgeführt werden. Im ersten und zweiten Jahr solle alle 3
Monate eine körperliche Untersuchung einschließlich gynäkologischer Untersuchung
und Ultraschall von der Scheide her sowie eine Bestimmung des Tumormarkers Ca
125 erfolgen. Nach dem dritten Jahr können die Abstände auf 6 Monate, nach dem
5. Jahr auf 12 Monate gedehnt werden. Der Tumormarker Ca 125 ist sehr sensibel,
d.h., er reagiert schnell auf Veränderungen, aber nicht absolut spezifisch für
das Ovarialkarzinom. Wir empfehlen deshalb, den Tumormarker nur im Zusammenhang
mit den Nachsorgeuntersuchungen abnehmen zu lassen und Veränderungen mit der
Ärztin oder dem Arzt zu besprechen, um nicht in unbegründete Sorge zu geraten.
Haben die körperliche Untersuchung oder die Befragung nach Beschwerden den
Verdacht auf ein Rezidiv ergeben (besonders wenn gleichzeitig der Tumormarker Ca
125 erhöht ist), müssen weitergehende Untersuchungen veranlasst werden, da auch
ein Rezidiv häufig mit gutem Erfolg therapierbar ist. Zur Nachsorge gehört auch
immer die Frage nach Beschwerden, wie sie von Operation oder Chemotherapie
hervorgerufen werden können und Angebote, wie diese Beschwerden gelindert werden
können.
Problematisch ist die Situation, wenn im Rahmen der Untersuchung klinisch und
in der Bildgebung kein Tumor nachweisbar ist, aber ein isolierter Anstieg des
Tumormarkers vorliegt. Diese die Patientin verständlicherweise sehr belastende
Situation stellt nach derzeitiger wissenschaftlicher Kenntnis keine Indikation
zur erneuten Chemotherapie dar. Die Patientin muss engmaschig überwacht werden,
so dass bei Auftreten eines Tumors rasch gehandelt werden kann.
Angebot für Patientinnen mit Ovarialkarzinom in der Habichtswald-Klinik
Kassel, Abteilung Onkologie
Patientinnen mit der Erstdiagnose, aber auch im Rezidiv oder nach Abschluss
der primären Therapie können sich zur Einholung einer zweiten Meinung (second
opinion) bei uns vorstellen.
Patientinnen nach Operation können in unserem Haus zu einer
Anschlussheilbehandlung aufgenommen werden. Während dieser Zeit ist es auch
möglich, eine Chemotherapie unter psychologischer und naturheilkundlicher
Begleitung zu beginnen oder fortzuführen. Auch in der Rezidivsituation können
Patienten bei uns zur Klärung der Indikation und Durchführung einer erneuten
Chemotherapie aufgenommen werden.
Anschlussheilbehandlung und Rehabilitation
Als Bestandteile einer ganzheitlichen Abteilung tragen alle unsere
therapeutischen Angebote gemeinsam zu der Wiedererlangung der Einheit von
Körper, Geist und Seele bei.
Patientinnen, die zu einer Anschlussheilbehandlung im Rahmen einer
Rehabilitation zu uns kommen, erfahren eine intensive Begleitung der Therapie,
die zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit und Lebensqualität führen soll.
Im Rahmen der Behandlung einer Patientin mit einem Ovarialkarzinom gibt es
keine komplementäre Therapie, die die Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie
ersetzen kann. Wir wissen aber, dass komplementäre Verfahren die Lebensqualität
während und nach der schulmedizinischen Therapie erhöhen können. Unter
komplementären Verfahren verstehen wir gezielt eingesetzte
Nahrungsergänzungsmittel, die Pflanzenheilkunde, z. B. zur Linderung von
postoperativ auftretenden Hormonentzugssymptomen, zur Unterstützung von
Entspannungsverfahren, zur natürlichen Beeinflussung von Ängsten und
Depressionen.
Darüber hinaus hat es sich die Naturheilkunde zum Ziel gesetzt, das unter der
Krebserkrankung und der Schulmedizin leidende Immunsystem zu stärken und in
seinem Kampf gegen die Krebserkrankung zu unterstützen.
Ganzheitliche Medizin bedeutet für die Krebspatientin die Berücksichtigung
aller Dimensionen des Lebens, also neben rein körperlichen Gesichtspunkten auch
die geistigen und seelischen Aspekte.
Viele Therapieansätze aus der Ganzheitsmedizin zielen nicht direkt auf die
Zerstörung des Tumors sondern auf die Stärkung der körpereigenen Kräfte und die
die Förderung der Gesundung (Salutogenese).
Schon die Operation eines Ovarialkarzinoms, wenn sie nicht sehr eingeschränkt
durchgeführt wurde, führt zwangsläufig zu erheblichen Veränderungen des
Körpergefühls, der Sexualität und der erlebten Weiblichkeit. Die Möglichkeit,
Kinder zu bekommen, ist durch die Entfernung von Gebärmutter und Eierstöcken
unwiederbringlich verloren. Die Scheide wird durch den Eingriff verkürzt. Die
Hormonproduktion der Eierstöcke fehlt, wodurch Frauen, die noch nicht in den
Wechseljahren waren, plötzlich ins Klimakterium gebracht werden. Hitzewallungen,
Schlafstörungen, Mattigkeit, trockene Scheide, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
und erhöhte Gefahr für Osteoporose können die Folgen sein.
Hinzu treten die Nachwirkungen der Chemotherapie: Haarverlust,
Abgeschlagenheit, bisweilen Gefühlsstörungen in Händen und Füßen oder
Geschmacksstörungen, Beeinträchtigung des Immunsystems. Erfreulicherweise sind
die Folgen der Chemotherapie im Allgemeinen ziemlich rasch und vollständig
rückläufig, doch können sie in der Zeit ihres Bestehens die betroffenen Frauen
in ihrer Lebensqualität durchaus einschränken. Die Operationsfolgen bleiben aber
zum Großteil bestehen und werden Teil des Lebens der Patientin, mit denen sie
sich auseinandersetzen und arrangieren muss.
Eine einfühlsame Begleitung und Beratung durch Ärzte und Psychotherapeuten,
wie wir sie in der Habichtswald-Klinik Kassel anbieten, kann vieles auffangen
und verhindern, dass vermeidbare Probleme zu einer Dauerbelastung - auch im
Hinblick auf Selbstwertgefühl und Partnerschaft - werden.
Da das Ovarialkarzinom ein hormonabhängiger Tumor ist, wird man bei
wechseljahresähnlichen Beschwerden nicht zu einer Hormonersatztherapie greifen.
Hier kommen aus dem naturheilkundlichen Bereich Alternativen wie z. B. der
Einsatz von Traubensilberkerzenpräparaten und Salbeiextrakten in Frage. Ist
hiermit kein ausreichender Erfolg zu erzielen und leidet die Patientin unter
deutlichen Beschwerden, so setzen wir gegen Hitzewallungen auch
schulmedizinische Medikamente ein.
Trotz der operativen Verkürzung ist die Scheide eigentlich immer ausreichend
lang, um den Geschlechtsverkehr weiter zu ermöglichen. Ängste bei beiden
Partnern, Begleitprobleme (z.B. Trockenheit der Scheide, Narbenschmerzen) machen
dennoch häufig eine sexualmedizinische Beratung notwendig. Je mehr eine Frau
Gelegenheit hatte, alle Ängste und Sorgen im Zusammenhang mit der Behandlung des
Ovarialkarzinoms ausführlich zu besprechen, desto sicherer kann sie weiterhin
ein Leben führen, das durch die Krankheit nicht wesentlich beeinträchtigt ist.
Eine begleitende und wieder aufbauende psychologische Betreuung soll die
Erfahrung der lebensbedrohlichen Erkrankung überwinden helfen und ein positives
Gestalten der eigenen Zukunft ermöglichen. Speziell onkologisch erfahrene
Psychotherapeuten begleiten unsere Patientinnen in Gruppentherapien und
Einzeltherapien. Durch Einzeltherapien ist es möglich, nicht nur die
unmittelbare Verarbeitung der Krebsdiagnose, sondern auch in der
Lebensgeschichte der Patientin liegende Probleme zu thematisieren und gezielt zu
bearbeiten.
Es gelingt so sogar für Patientinnen in einem fortgeschrittenen
Krankheitsstadium, die Lebensqualität deutlich zu verbessern. Wir gehen davon
aus, dass durch diese Verbesserung der Lebensqualität auch die körpereigenen
Abwehrkräfte gestärkt werden.
Wesentlich tragen die Mitarbeiter der Krankengymnastik und der Bäder- und
Massageabteilung dazu bei, dass der Patient körperliches Wohlbefinden
wiedererlangt. Im Rahmen der Krankengymnastik, Sporttherapie und in der
Massage- und Bäderabteilung werden verschiedene Therapieformen eingesetzt, um
gezielt die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern und wieder Zutrauen in
den eigenen Körper zu finden und auch auf diesem Weg einen höhere Lebensqualität
zu erreichen.
Einige Patientinnen klagen nach der Operation über eine Blasenschwäche, diese
ist durch eine Schwächung des Beckenbodens, aber auch durch
Hormonmangelerscheinungen zu erklären. Neben lokalen die Schleimhaut pflegenden
Maßnahmen, ggf. Behandlung von Blasen- und Schleimhautentzündungen, steht im
Vordergrund die gezielte Beckenbodengymnastik, evtl. unterstützt durch
Elektrostimulationstechniken.
Unter der Chemotherapie mit (TaxolR) kann es zu einer Schädigung der Nerven
mit Gefühlsstörungen in den Händen und/oder Füßen kommen. Diese Ausfälle
versuchen wir naturheilkundlich mit Gabe von B-Vitaminen, Elektrotherapien in
der Bäderabteilung sowie gezieltem Sensibilitätstraining in der Ergotherapie zu
lindern.
Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie.
Es gibt keine gezielte Krebsdiät, die den Tumor beseitigen könnte, aber durch
eine gesunde Ernährung kann viel zur Stärkung des Körpers beigetragen werden,
Dabei muss die Krankheitsgeschichte der Patientin berücksichtigt werden. Deshalb
bieten wir verschiedene Formen einer vollwertigen Ernährung und Vitalkost
(ausgewogenen Form der Makrobiotik) aber auch alle medizinisch erforderlichen
Diäten an. Darüber hinaus können Patientinnen in unserem Haus die ayurvedische
Ernährung kennen lernen.
Bei der Diagnose Krebs taucht bei vielen Patientinnen die Frage nach dem Sinn
auf. Hier bietet unsere Klinik einzigartige Möglichkeiten, auf freiwilliger
Basis verschiedene Angebote zu nutzen, um sich mit diesem Thema
auseinanderzusetzen. Hierzu gehören vorbereitend Entspannungsverfahren und ein
nicht konfessionell gebundenes spirituelles Angebot von Meditationen über
Sakralen Tanz zum gemeinsamen Singen.
Wesentlich zur Wiedererlangung der eigenen Kräfte und Freude am eigenen
Schaffen ist die freiwillige Teilnahme am kreativen Angebot.
Patientinnen, die mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen in unser Haus
kommen, werden umfassend und vertrauensvoll über das für und wider jedes
Behandlungsschrittes sorgfältig in Gespräch zwischen Arzt und Patient
aufgeklärt.
Die Behandlung von Schmerzen ist ein vorrangiges Ziel einer
interdisziplinären Sichtweise von Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und
Psychologen.
Stand 27.06.07