Schmerzen ertragen zu müssen, ist eine der größten Sorgen, die
Patienten mit Tumorerkrankungen haben. Oft ist das einer der ersten Gedanken,
die auftreten, wenn man die Diagnose mitgeteilt bekommt. Die Vorstellung in
unserer Gesellschaft ist immer noch, dass eine Tumorerkrankung mit starken,
nicht oder nur schlecht zu behandelnden Schmerzen einhergeht. Die moderne
Schmerztherapie bietet jedoch viele Möglichkeiten zu helfen. Wichtig ist, dass
Ärzte und Patienten über diese Möglichkeiten gut informiert sind. Nur eine
intensive Zusammenarbeit und Partnerschaft zwischen Arzt und Patient kann alle
Möglichkeiten der Therapie ausschöpfen.
Schmerzen bei Tumorerkrankungen können durch verschiedene
Ursachen entstehen. Es kann durch Tumorzellen zur Störung und Entzündung von
Gewebe kommen, es kann direkter Druck auf Nervenendigungen, Nervenzellen und
Nervenknoten entstehen, es kann zum Druck auf Organe oder zur Verlegung von
Hohlorganen wie Magen, Darm, Harnleiter etc. kommen, so dass durch den dann
entstehenden Druckanstieg Schmerzen ausgelöst werden.
So unterschiedlich die Entstehungsursachen sind, so
unterschiedlich ist der Charakter des Schmerzes, seine Dauer und Intensität.
Grundlage einer guten Schmerztherapie ist zunächst die
Diagnostik. Diese setzt sich zusammen aus der genauen Anamnese (hier werden der
Schmerzcharakter und sein zeitliches Auftreten erfasst), aber auch schon erste
Beobachtungen des Patienten, welche Ereignisse, Bewegungen etc. Schmerzen
auslösen und welche sie umgekehrt bessern, erfragt werden. Dann entscheidet der
Arzt, welche weiteren Untersuchungen notwendig sind, um die genaue Ursache des
Schmerzes zu klären. Wird eine Ursache gefunden, die direkt behandelt, also
beseitigt werden kann, so ist dies ein entscheidender Schritt. Hierzu gehören z.
B. operative Eingriffe, die Tumoren verkleinern, Bestrahlungen, die z. B.
Tumormetastasen im Knochen stabilisieren etc.
Stellen Arzt und Patient gemeinsam fest, dass die
Schmerzursache nicht direkt zu beseitigen ist, so muss über eine passende
Schmerztherapie nachgedacht werden.
Für diese Schmerztherapie stehen verschiedene Möglichkeiten zur
Verfügung. Ein erster, oft vom Patienten schon durchgeführter Schritt, leitet
sich aus der Beobachtung ab, welche äußeren Umstände die Schmerzen lindern. So
berichten einige Patienten über Besserung durch Wärme oder Kälte, durch
bestimmte Lagerung, durch Vermeiden bestimmter Nahrungsmittel oder bestimmter
körperlicher Belastungen.
Bei Schmerzen im Bewegungsapparat können auch Krankengymnastik
und verschiedene Massagetechniken sowie Bäderanwendungen hilfreich sein.
Oft kann jedoch mit diesen Maßnahmen keine ausreichende
Schmerzlinderung erreicht werden, ohne dass sich der Patient in seinen
Aktivitäten so einschränken muss, dass dies eine deutliche Verminderung der
Lebensqualität bedeutet.
Aus diesem Grunde ist eine frühzeitig eingeleitete gute
Schmerztherapie bei einer Tumorerkrankung wichtig, um die Lebensqualität zu
verbessern.
Bei der medikamentösen Schmerztherapie unterscheiden wir zwei
Gruppen von Schmerzmitteln, außerdem Begleitmedikamente und sogenannte
Co-Analgetika, also die Schmerzmittel unterstützenden Medikamente.
Um die unterschiedliche Wirkung der Schmerzmittel verstehen zu
können, ist es erforderlich, die Entstehung von Schmerzen und ihre Wahrnehmung
zu erklären.
Ein Schmerzreiz wird von einem Nerv gemeldet, wenn es in seiner
unmittelbaren Umgebung zu einer Gewebeschädigung kommt. Dies führt dazu, dass
ein elektrischer Reiz über die Nervenfaser zum Rückenmark geleitet wird, dort
erfolgt die Umschaltung auf eine zweite Nervenfaser, die mit anderen gebündelt
im Rückenmark zu Gehirn zieht. Im Gehirn erfolgt die Verarbeitung der
eingehenden Nervensignale in bestimmten Zentren, die in enger Nachbarschaft mit
Zentren der Gefühle liegen.
In unserer biologischen Entwicklung der Gattung Mensch war
Schmerz immer ein Warnsignal für Gefahr, aus diesem Grund ist Schmerz mit sehr
intensiven Gefühlen wie Angst und Fluchtreaktion verbunden. Dieses archaische
System in unserem Körper führt dazu, dass Schmerzreize zu einer unmittelbaren
Anspannung und zu einer maximalen Aktivierung führen, die u. a. über das
sympathische Nervensystem wieder in den Körper geleitet wird. Damit stellt
Schmerz einen der stärksten Stressreize für unseren Körper dar.
Um diese ständige Aktivierung und damit Überforderung des
Körpers zu unterdrücken, ist eine regelmäßige und ausreichende Schmerztherapie
erforderlich.
Aus diesem Grunde muss der Vorstellung mancher Patienten
widersprochen werden, dass sie den Schmerz lieber aushalten, um „zu wissen, was
in ihrem Körper vorgeht“, ebenso ist die Befürchtung nicht richtig, dass
langfristig keine wirksamen Medikamente mehr zur Verfügung stehen, wenn man „zu
früh“ mit einer Schmerztherapie beginnt.
Die ausführliche Information zu diesem Krankheitsbild stellen wir
Ihnen hier gern als PDF-Dokument zur
Verfügung.

Schmerztherapie bei Tumorerkrankungen.pdf (29 KB)