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Insulinpotenzierte Therapie in der Tumorbehandlung

Habichtswald-Klinik Kassel

 

Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie

Unter der sog. „insulinpotenzierten Therapie“ versteht man eine gleichzeitige Chemotherapie und Gabe von Insulin, welches den Zuckerstoffwechsel beeinflusst. Es wird behauptet, dass durch die gleichzeitige Insulingabe die Dosierung der Chemotherapiemittel erheblich niedriger gewählt werden kann, ohne einen Verlust der Wirksamkeit in Kauf nehmen zu müssen. Hierdurch sollen angeblich bei der Therapie auch die Nebenwirkungen wesentlich verringert werden können.

Diese Therapie wird sowohl für Patienten mit Erstdiagnose einer Tumorerkrankung angeboten und soll dann angeblich eine Operation oder Strahlentherapie ersetzen. Fast gleich gute Ergebnisse sollen angeblich bei fortgeschrittenen Tumoren als Alternative zu einer normalen Chemotherapie erreicht werden. Auch bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen mit Rezidiv oder Metastasen soll die insulinpotenzierte Therapie angeblich Heilungsmöglichkeiten bieten.

Während einer insulinpotenzierten Therapie sinkt der Blutzucker bewusst gesteuert auf Werte um 25-35 mg% ab (normale Werte liegen um 100 mg%). In dieser Situation der Unterzuckerung werden die Mittel der Chemotherapie gegeben.

Es wird behauptet, dass Tumorzellen vermehrt Rezeptoren für das Insulin haben, Insulin deshalb an die Tumorzellen bindet und zu einer vermehrten Aufnahme des Chemotherapiemittels in die (bösartige) Zelle führt.

Dieses in der Theorie sehr einleuchtende Modell wird für Patienten insbesondere dadurch attraktiv, dass angeblich nur noch geringste Mengen der Chemotherapie benötigt werden, um Tumoren komplett zur Rückbildung zu bringen.

Eine systematische Durchsicht der wissenschaftlichen Literatur zeigt, dass es zur insulinpotenzierten Therapie keine fundierten Untersuchungen bei Tumorpatienten gibt. Die behaupteten hohen Erfolgsraten können in keiner Weise durch wissenschaftliche Studien belegt werden.

Die im Rahmen einer insulinpotenzierten Therapie gewählten niedrigen Chemotherapiedosen sind nach dem heutigen Kenntnisstand der Wissenschaft nicht ausreichend, um zu einer Kontrolle einer Tumorerkrankung beizutragen.

Aus diesem Grund stellt die insulinpotenzierte Therapie ein experimentelles Verfahren dar, welches zunächst in wissenschaftlichen Studien überprüft werden sollte. Keinesfalls ist es sinnvoll, diese Therapie als Alternative zu einer erforderlichen normalen Chemotherapie anzubieten.

 

 

Stand 22.06.07

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Aktualisiert am 09.02.2009