Habichtswald-Klinik Kassel
Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin der Onkologie
1. Vorüberlegungen
Eine Krebserkrankung löst in fast jedem Patienten eine tiefe Verunsicherung
aus. Viele Betroffene entwickeln den Wunsch, zusätzlich zu den ihnen von ihren
Ärzten angebotenen Verfahren etwas für sich zu tun. Sie suchen mehr Sicherheit
in weiteren Therapiemöglichkeiten, die – so die Hoffnung – vielleicht auch nicht
so belastend und nebenwirkungsreich sind, wie die schulmedizinischen Verfahren.
Die meisten naturheilkundlichen Therapien werden von Patienten unter der
Vorstellung genutzt, das Immunsystem zu unterstützen. Eine der häufigsten Fragen
in der Beratung ist: „Was kann ich noch für mein Immunsystem tun?“ Dieser Bedarf
resultiert aus der Vorstellung, dass Krebszellen erst durch eine Schwäche des
Immunsystems wachsen und sich vermehren können.
Tatsache ist, dass bei Personen mit einem längerfristigen, geschwächten
Immunsystem Krebs gehäuft auftritt. Dies gilt jedoch nicht generell, sondern nur
für einige Krebsarten wie z. B. Non-Hodgkin-Lymphome oder Krebsarten der Haut
und Schleimhäute, die mit bestimmten Viren assoziiert sind, sodass die Frage
gestellt werden muss, ob die Immunschwäche nicht zu einer erhöhten
Infektionsrate und erst sekundär zur Krebserkrankung führt. Häufige Tumorarten
wie Brustkrebs, Darmkrebs etc. sind bei Patienten mit Immunschwäche nicht
erhöht.
Ob eine - wie auch immer zu erreichende - Kräftigung des Immunsystems zu
einer Bekämpfung von Krebszellen führen kann, ist noch unklar. Dafür spricht,
dass Tumoren, die in der feingeweblichen Untersuchung von vielen Abwehrzellen
infiltriert sind, eine bessere Prognose zu haben scheinen.
Ein wesentliches Problem ist, dass Krebszellen körpereigene Zellen sind und
in den meisten Fällen für Abwehrzellen gar nicht als „fremd“ erkennbar sind,
eine einfache Aktivitätssteigerung führt hier zu keiner Veränderung.
Eine weniger beachtete, aber, wenn gezielt eingesetzt, realistische Wirkung
verschiedener naturheilkundlicher Verfahren wie wir sie in der
Habichtswald-Klinik einsetzen, ist die Verbesserung der Lebensqualität des
Patienten bereits bei der ersten Diagnose der Erkrankung, begleitend während der
Therapie und anschließend in der Rehabilitation und Nachsorge.
Naturheilkunde ist somit ein Partner in einem ganzheitlichen Ansatz und
versteht sich als komplementär (ergänzend) und keineswegs alternativ.
Deshalb sieht sich der naturheilkundlich tätige Arzt als Partner des
Schulmediziners. Im Idealfall werden beide Therapierichtungen durch einen Arzt,
eben den betreuenden Onkologen, koordiniert eingesetzt, um für den Patienten den
optimalen Nutzen zu erzielen.
Die bewusste und wohldurchdachte Entscheidung des Patienten als autonomes
Ich, auf eine sog. „schulmedizinische“ Therapie zu verzichten, wird von uns
akzeptiert. Wir sehen nach guter Aufklärung und im ständigen Gespräch mit den
Patienten unsere Aufgabe dann in der verantwortungsbewussten Begleitung, die
jederzeit den Rückgriff auf doch notwendig werdende Schulmedizin (z. B.
Schmerzmittel, intravenöse Flüssigkeitsgabe etc.) oder die Revision der
Entscheidung ermöglicht.
2. Diagnostik
Viele Krebspatienten wünschen sich nach der Diagnose einer Krebserkrankung
oder auch nach der Therapie die Bestimmung des sogenannten „Immunstatus“.
Hierbei handelt es sich um keine definierte diagnostische Methode. Vielfach
wird hierunter die Bestimmung des Blutbildes mit Differenzierung der
verschiedenen Unterarten der weißen Blutkörperchen verstanden. Dies ist eine
Routineuntersuchung, die einfach im Rahmen einer normalen Blutabnahme
laborchemisch durchzuführen ist. Allerdings sagen die Bestimmungen der Anzahl
der einzelnen weißen Blutkörperchen noch relativ wenig über deren
Funktionsfähigkeit aus. Auch die Untergliederung der sogenannten Lymphozyten in
NK-Zellen (Natural Killer-Zellen) sowie T-Helfer und T-Suppressor-Zellen gibt
die Komplexität des Immunsystems und seiner Funktion nur unzureichend
wieder.
Deshalb werden immer neue Ansätze entwickelt, um etwas über die
Funktionsfähigkeit der weißen Blutkörperchen auszusagen. Neben sehr ausgefeilten
Methoden in der Forschung wurde früher häufig ein Hautstempeltest (Multitest
Mérieux®) eingesetzt, der analog zum sogenannten Tinetest (Untersuchung auf
Kontakt mit Tuberkuloseerregern) die Reaktionsfähigkeit des Körpers auf
verschiedene Krankheitskeime, die in der natürlichen Umgebung vorkommen, testet.
Die Grundvorstellung ist, dass - da wir alle ständig mit diesen Erregern in
Kontakt stehen - bei einem gesunden Immunsystem wenigstens auf einige dieser
Erreger eine Immunantwort erfolgen sollte. Bei einem Patienten mit einer
deutlichen Schwächung des Immunsystems fiel diese Reaktion nur schwach aus oder
trat überhaupt nicht ein. Dieser Test ist derzeit in Deutschland nicht mehr
erhältlich.
Wir empfehlen unseren Patienten, sich im Rahmen einer Selbstbeobachtung zu
fragen, ob die Neigung zu Infekten im Rahmen der üblichen Erkältungskrankheiten
insbesondere im Frühjahr oder Herbst bei ihnen erhöht ist.
Es gibt eine ganze Reihe weiterer Diagnostikverfahren, welche den
Krebspatienten angeboten werden. Hierbei wird behauptet, dass dadurch entweder
Störquellen oder Schadstoffe im Körper diagnostiziert werden könnten, die für
die Krebserkrankung verantwortlich seien oder sie gefördert hätten. Zum Teil
erheben diese Verfahren auch den Anspruch, geeignete Therapien für den Patienten
festzulegen.
Zu diesen Verfahren gehören unter anderem die Regulationsthermographie, die
Bioimpedanzmethode, die Elektroakupunktur nach Voll, der Vegatest, der Moratest,
kinesiologische Austestungen, die Kirlianphotographie, die
Dunkelfeldmikroskopie. Alle diese Verfahren sind wissenschaftlich kaum fundiert
und deshalb kritisch zu bewerten. Durch den teilweise beeindruckenden Einsatz
von diagnostischen Geräten wird allerdings beim Patienten ein anderer Eindruck
hervorgerufen.
Analysen von Mikronährstoffen im Blut und die Haaranalyse auf Schadstoffe
sind abgesehen von wenigen Ausnahmen ebenfalls nicht geeignet, um die Ursache
einer Krebserkrankung zu finden oder aus Analyseergebnissen umfangreiche
Verhaltens- und Therapieempfehlungen für den Patienten abzuleiten.
3. Anforderungen an eine moderne Naturheilkunde
Die Naturheilkunde in ihrer modernen Ausprägung ist durchaus in der Lage,
sich den Erfordernissen einer wissenschaftlich fundierten Medizin zu stellen.
Somit unterliegt sie zwei wesentlichen Kriterien:
1. Auch naturheilkundliche Methoden müssen sich
den Methoden der wissenschaftlichen Forschung stellen. Das heißt, sie müssen in
sauberen Studien erprobt werden bzw. - solange noch keine Studien vorliegen –
überprüfbar sein.
2. Da häufig beweiskräftige wissenschaftliche
Forschungsergebnisse nicht vorliegen, muss mindestens sichergestellt sein, dass
durch eine naturheilkundliche Therapie dem Patienten kein Schaden zugefügt wird,
bzw. eine im Rahmen der Krebserkrankung erforderliche Therapie dadurch nicht
verzögert oder nicht durchgeführt wird.
Unter diesen Voraussetzungen kann sich die Naturheilkunde folgenden Aufgaben
bei der Behandlung von Krebspatienten stellen:
¨ Stärkung der gesunden körpereigenen
Kräfte und Funktionen.
¨ Ausgleich von Defiziten und
Mangelerscheinungen durch die Erkrankung.
¨ Milderung von
Therapienebenwirkungen.
Auch das Ziel einer positiven Beeinflussung des körpereigenen Abwehrsystems
(Immunsystem) ist aufgrund der oben diskutierten Befunde und angesichts der
großen Bedeutung aus Patientensicht zu unterstützen.
4. Naturheilkundliche Beeinflussung des Immunsystems
Die Vorstellung, dass durch eine Stimulation und positive Beeinflussung des
Immunsystems eine Therapie gegen Krebs möglich sein muss, ist eine Idee, die
nicht nur in der Naturheilkunde verbreitet ist, sondern auch gezielt
schulmedizinisch erforscht wird.
Das Problem bei allen diesen Verfahren, die auf die Aktivierung des
Immunsystems zielen, ist, dass es relativ leicht ist, laborchemisch eine
Aktivierung des Immunsystems nachzuweisen. Der Nachweis einer positiven Wirkung
auf den Krankheitsverlauf gestaltet sich sowohl für die schulmedizinischen wie
naturheilkundlichen Therapieansätze schwierig und ist noch bei keiner Tumorart
überzeugend gelungen.
Im Folgenden sind einige Verfahren, die in der Naturheilkunde weitere
Verbreitung gefunden haben, dargestellt.
Tumorimpfung
Hierbei handelt es sich um ein Verfahren, dass in der Schulmedizin noch in
der Entwicklung ist und in Studien erprobt wird. Alternativ wird dieses
Verfahren dem Patienten bereits über kommerzielle Anbieter angeboten.
Die Idee
ist, dass Zellmaterial aus einem Tumor laborchemisch so bearbeitet
wird, dass es unschädlich, aber für das Immunsystem besonders deutlich zu
erkennen ist. Dieses Material wird wie eine Impfung gespritzt. Körpereigene
Immunzellen sollen dadurch lernen, die eigentlichen Krebszellen anzugreifen.
Material, das zur Impfung eingesetzt wird, wird zum Teil aus fremdem Tumorgewebe
im Labor gewonnen. Einige Anbieter entwickeln jedoch auch aus Tumormaterial, das
dem Patienten bei der Operation entnommen wurde, ein spezifisches
Impfmaterial.
In der Schulmedizin werden körpereigene Immunzellen im Reagenzglas durch
besondere Maßnahmen und Manipulationen aktiviert, um sie dem Patienten wieder zu
spritzen, unter der Vorstellung, dass diese Immunzellen in der Lage sind, im
Körper die Tumorzellen anzugreifen, bzw. weitere Immunzellen zu aktivieren.
Hierbei handelt es sich um eine Therapieform, die sich noch in der
Entwicklung befindet. Als Patient sollte man diese Therapie deshalb, wenn sie
einem angeboten wird, im Rahmen von wissenschaftlichen Studien erhalten.
Immunstimulantien (Misteltherapie etc.)
Bei den Immunstimulantien kommen pflanzliche und tierische Präparate zum
Einsatz.
Am bekanntesten ist die Misteltherapie. Die Mistel bietet
verschiedene Inhaltsstoffe, die im Experiment eine Stimulation von Immunzellen
herbeiführen können. Verschiedene Firmen stellen die Präparate unterschiedlich
her, sodass jeweils völlig verschiedene Zusammensetzungen vorliegen. Einige
Hersteller sind deshalb dazu übergegangen, sogenannte standardisierte Präparate
anzubieten, bei denen eine Leitsubstanz (Mistellektin) in einer garantierten
Menge pro Ampulle vorhanden ist.
Neueste Studienergebnisse zeigen, dass eine Misteltherapie bei Tumorpatienten
die Verträglichkeit einer Chemotherapie oder Bestrahlung verbessern kann und
dass sie bei einigen Patienten zu einer im Blutbild nachweisbaren Erhöhung
immunaktiver Zellen führen kann. Außerdem kommt es zu einer Förderung des
Wohlbefindens beim Patienten durch Ausschüttung von Endorphinen. Unklar ist,
inwieweit über die Immunstimulation eine günstige Beeinflussung einer
Krebserkrankung möglich ist. Bisherige klinische Studien haben unterschiedliche
Ergebnisse erbracht.
Sehr zurückhaltend sollte man bei Krebsarten sein, die in ihrem Wachstum
abhängig sind von sogenannten Interleukinen, also Botenstoffen die weiße
Blutzellen benutzen. Hierzu gehören neben Leukämien und Lymphomen auch das
maligne Melanom und der Nierenkrebs.
In der Volksmedizin bereits lange bekannt ist Echinacea als allgemein
das Immunsystem stimulierende Pflanze. Bezüglich des Einsatzes bei
Tumorpatienten liegen jedoch keine Studien vor.
Auch der Taigawurzel und Ginseng wird eine die Körperkräfte
steigernde Wirkung nachgesagt, ob dies sich auch positiv auf den Verlauf einer
Tumorerkrankung auswirkt, wurde jedoch bisher nicht untersucht.
Unter der Zielvorstellung, das Immunsystem zu stimulieren, wurden Präparate
aus Tierorganen entwickelt, insbesondere zählen hierzu Thymuspräparate
sowie Peptide aus Milz und Leber. Zu diesem interessanten Ansatz liegen
bisher keine klaren Wirkungsnachweise vor.
Diese Therapien sollten nur von erfahrenen Ärzten durchgeführt werden, da es
sich um Fremdeiweiße handelt, sodass prinzipiell die Gefahr einer allergischen
Reaktion bis zum Schock, insbesondere bei Injektion dieser Präparate,
besteht.
Sauerstofftherapien
Unter Sauerstofftherapien werden verschiedene Verfahren zusammengefasst,
unter anderem die Sauerstoffmehrschritttherapie nach Ardenne (Gabe von
Sauerstoff und hoch dosierten Vitaminen sowie Glukose unter körperlicher
Belastung) sowie die hämatogene Oxidationstherapie und Ozontherapie
(Anreicherung einer kleinen Blutmenge des Patienten in der Spritze mit
Sauerstoff und Injektion des eigenen Blutes) und die Ozontherapie.
Die Wirkweise dieser Verfahren konnte bisher nicht sicher wissenschaftlich
belegt werden.
5. Weitere „alternative“ Krebstherapien
Immer wieder werden, fast in jährlichem Rhythmus wie eine Modeerscheinung,
Medikamente als Antikrebsmittel angeboten.
Zum Teil werden für diese Zubereitungen erhebliche Preise verlangt. Ein
Auszug aus den letzten Jahren stellt folgende Liste dar:
¨ Weihrauch
¨ Cannabis
¨ Melatonin
¨ Ukrain
¨ KLH
¨ Galavit
¨ Haifischknorpelextrakt
¨ Carnivora
¨ Jomol
¨ Eleutherokokk
¨ Aloe
¨ Noni
¨ Vitamin B17
Manche dieser Stoffe enthalten wirksame Substanzen. So ist zum Beispiel
nachgewiesen, dass Weihrauch die Folgen einer Entzündung oder eines Ödems
lindern kann, eine Antikrebswirkung konnte jedoch bisher nicht bewiesen
werden.
Bei Ukrain handelt es sich um ein Präparat aus dem Schöllkraut
kombiniert mit einem lange bekannten Zytostatikum. Außer einer Studie bei
Patienten mit Pankreaskarzinom gibt es keine Untersuchungen zur Wirksamkeit von
Ukrain. Es sind Nebenwirkungen wie z. B. Leberschädigungen möglich, die jedoch
in kontrollierten klinischen Studien geprüft werden sollten. Mit Sicherheit ist
dieses Präparat nicht für die Selbstanwendung geeignet.
KLH ist ein Wirkstoff aus der Meeresschnecke, das ebenfalls als
Immunstimulanz wirkt, eine Wirksamkeit gegen Krebs ist nicht belegt.
Melatonin hat Einfluss auf die Immunregulation, bevor dies jedoch
genauer erforscht wird, muss von einer Einnahme abgeraten werden.
Cannabis wurde Krebspatienten angeboten als appetitsteigernde und
somit kräftigende Droge, darüber hinaus hat es eine mäßige die Übelkeit
lindernde und leicht schmerzstillende Wirkung. Es gibt mittlerweile ein
Medikament mit diesem Inhaltsstoff. Cannabis ist nicht nebenwirkungsfrei. Es
kommt relativ häufig zu Müdigkeit. Cannabis kann in Einzelfällen eingesetzt
werden, die hohen in die Substanz gesetzten Erwartungen konnten bisher nicht
erfüllt werden.
Bei Galavit handelt es sich um ein Präparat aus der russischen
Weltraumforschung, bei dem eine Wirkung ebenfalls bisher nicht belegt werden
konnte.
Carnivora ist der Press-Saft aus der Venusfliegenfalle, dem nachgesagt
wird, er solle die Zellteilung hemmen und das Immunsystem stärken. Bei diesen
Präparaten ist zu beachten, dass es zu lebensbedrohlichen Nebenwirkungen in Form
von allergischen Reaktionen bis zum anaphylaktischen Schock kommen kann, die
Zulassung des Medikamentes in Deutschland wurde annulliert.
Bei Jomol handelt es sich um einen Extrakt aus
Rhodococcos/Rhodochroos, der ebenfalls angeblich krebshemmend und
abwehrsteigernd sein soll. Auch hier liegen keine wissenschaftlich
dokumentierten Behandlungsergebnisse vor.
Eleutherokokk wird aus der Taigawurzel gewonnen und als Heilmittel
gegen verschiedenste Schwächezustände und Erkrankungen angepriesen, auch hier
liegen keine dokumentierten Wirksamkeitsnachweise gegen Krebs vor.
Aloe und Noni werden als Pflanzenextrakte angeboten. Sie sind
in der Volksmedizin weit verbreitet. Die behauptete kräftigende und
immunstimulierende Wirkung ist weiterhin umstritten. Ob sich hieraus eine
Wirkung gegen Krebs ableiten lässt, ist jedoch noch offen.
Vitamin B17 ist kein Vitamin, sondern das in den 70iger Jahren in den
USA vertriebene Präparat „Laetrile“ – damals konnte in einer fundierten Studie
nicht belegt werden, dass es die postulierte Wirkung hat. Laetrile ersetzt
keinesfalls eine dringend erforderliche Therapie.
6. Ernährung im Rahmen einer Krebserkrankung
Gesunde ausgewogene Ernährung mit ausreichender Zufuhr von Vitaminen,
Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen hat eine nachgewiesene
vorbeugende Wirkung gegen Krebs. Eine gesunde Ernährung ist deshalb auch für
Krebspatienten zu empfehlen.
Ob eine Therapie mit Vitamin und Spurenelementpräparat jedoch auch bei einer
bereits eingetretenen Krebserkrankung wirkungsvoll ist bleibt umstritten. Gerade
auf diesem für Patienten so wichtigem Gebiet sind die Daten trotz zahlreicher
Studien widersprüchlich, sodass viele Patienten vor dem Dilemma
unterschiedlicher Auskünfte stehen.
Bevorzugt auf eine gesunde Ernährung geachtet werden und die medikamentöse
Einnahme auf Situationen, in denen ein Mangel nachgewiesen oder wahrscheinlich
ist, beschränkt werden sollte. Da die Einnahme während einer Chemotherapie oder
Bestrahlung möglicherweise zu einer Abschwächung der Antitumor-Wirkung führen
kann sollte eine Einnahme mit dem behandelnden Onkologen besprochen werden. Eine
ausführliche Darstellung zum Thema Ernährung für Krebspatienten ist im Rahmen
dieses Skriptes nicht möglich.
7. Naturheilkunde zur Unterstützung der Lebensqualität bei
Krebserkrankungen
Naturheilkunde, verstanden als komplementäre Therapie, ist wesentlicher
Bestandteil einer ganzheitlichen onkologischen Therapie.
Ganzheitsmedizin, so wie wir sie in der Habichtswald-Klinik verstehen,
umfasst außerdem das Angebot der psychoonkologischen Begleitung für den
Patienten, ergänzt um Entspannungsverfahren wie Autogenes Training oder
Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, aber auch mehr körperorientierte
Verfahren wie Tai Chi und Yoga.
Viele Patienten wenden sich angesichts der lebensbedrohlichen Erkrankung
spirituellen Themen zu. Nicht alle finden im Rahmen eines christlich-kirchlichen
Angebotes die Unterstützung, die sie suchen, sodass überkonfessionelle Formen
wie Meditationen und Gespräche eine sinnvolle Ergänzung darstellen können.
Nur angedeutet werden kann in diesem Zusammenhang, dass auch Verfahren wie
Homöopathie und Akupunktur Folgeerscheinungen der Krebserkrankung oder der
Therapie lindern können, z. B. Übelkeit und Schlafstörungen auch wenn für diese
„etablierten“ Verfahren die Wirksamkeitsnachweise ebenfalls umstritten sind.
Narbentherapien mit Akupunktmassagen können den Körper dabei unterstützen,
wieder das eigene Gleichgewicht zu finden.
Nicht zuletzt gehören alle Verfahren aus dem Bereich der Krankengymnastik,
Bäder, Massage und Elektrotherapie sowie der Ergotherapie, die größtenteils aus
der Naturheilkunde stammen, zu einem ausgewogenen ganzheitlichen
Behandlungsangebot.
8. Ausblick
Wenn Sie sich zu einer begleitenden naturheilkundlichen Therapie entscheiden,
so sollten Sie mit Ihren Ärzten absprechen, ob dies mit Ihrer Basistherapie
vereinbar ist.
Sprechen Sie offen diese Fragen an, denn die Annahme, dass eine
naturheilkundliche Therapie auf keinen Fall schaden könne bzw. die
schulmedizinische Therapie dadurch nicht gestört würde, gilt nicht. Leider haben
derzeit auch die behandelnden Onkologen nicht immer umfassende Kenntnisse zu den
diskutierten Fragen.
Vor dem Beginn einer jedweden Begleittherapie sollten Sie sich genau auch
über die Risiken informieren. Wenn Sie eine naturheilkundlich begleitende
Therapie beginnen, so sollten Sie sich selber nach einiger Zeit fragen, welche
positiven Entwicklungen sich daraus für Sie ergeben haben.
Zu warnen ist vor Angeboten auf dem freien Markt oder im Internet,
insbesondere wenn es sich um sehr teure Präparate handelt, oder wenn man von
Ihnen verlangt, auf jedwede andere (schulmedizinische) Behandlung zu verzichten.
Stand 27.06.07