Habichtswald-Klinik Kassel
Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie
Vitamin B1 (Thiamin) ist ein wasserlösliches B-Vitamin, dass für die
Verbrennung von Kohlenhydraten erforderlich ist und dabei selber verbraucht
wird, so dass eine regelmäßige Zufuhr erforderlich ist. Die körpereigenen
Reserven halten ca. 14 Tagen. Da insbesondere Gehirnnervenzellen ihre Energie
aus Kohlenhydraten beziehen sind sie auf die Thiaminzufuhr angewiesen, so dass
Thiamin eine besondere Bedeutung für die Gehirn- und Nervenfunktion hat. Thiamin
ist hitzeempfindlich und wird deshalb beim Kochen zerstört.
Besonders thiaminreiche Mittel sind Bierhefe, Weizenkeime, Sesam- und
Sonnenblumenkerne. Der tägliche Bedarf ist beim Ersatzen 1,1 – 1,3 mg/Tag
angegeben.
Seit einiger Zeit wird überlegt, ob bei Tumorpatienten ein Vitamin B1-Mangel
vorliegt und ob die zusätzliche Einnahme von Vitamin B1 vor der Entwicklung vor
den Tumoren bzw. ihrem Fortschreiten schützt.
Bei verschiedenen Tumorerkrankungen konnte tatsächlich nachgewiesen werden,
dass die Thiaminspiegel im Blut niedrig sind, wobei eine ältere Arbeit schon
zeigte, dass es nicht zu einer verminderten Zufuhr der Nahrung sondern zu einer
vermehrten Ausscheidung mit dem Urin kommt, so dass eine negative Bilanz
vorliegt. Die Ursache hierfür ist unbekannt.
In vielen Vitaminpräparaten und auch in den sogenannten Vitamin
B-Komplexpräparaten ist Vitamin B1 enthalten.
Patienten sollten Vitamin B1 nur dann einnehmen, wenn ein Mangel nachgewiesen
wurde und dies mit dem Arzt abgesprochen worden ist. Es gibt nämlich einige
Hinweise, dass Vitamin B1 auch das Wachstum von Tumorzellen fördern kann bzw.
die Wirkungen von Chemotherapiemitteln wie Cyclophosphamid, Ifosfamid und
anderen abschwächt.
Vitamin B-Präparate werden häufig für Tumorpatienten empfohlen um die
Entwicklung einer sogenannten Polyneuropathie unter der Chemotherapie, also
einer Nervenschädigung mit Störungen des Tastempfindens zu verhindern. Es gibt
bisher keine Beweis dafür, dass diese Therapie wirksam ist.
Wir setzen in unserer Klinik eine kombinierte Behandlung in der Ergotherapie
und balneophysikalischen Anwendungen ein.