Habichtswald-Klinik Kassel
Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie
Vitamin B17, früher unter dem Namen Laetrile bekannt, erlebt in den letzten
Monaten eine Art „come-back“ in der alternativen onkologischen Therapie.
Bei Vitamin B17 handelt es sich um kein Vitamin, also keinen für das
Überleben des menschlichen Körpers notwendigen Nahrungsbestandteil, sondern um
den Inhaltsstoff der Bittermandel, das Amygdalin.
In den 70ern und Anfang der 80er Jahre wurde Laetrile vor allen Dingen in den
USA, aber auch in Westeuropa als Heilmittel gegen Krebs angepriesen. Angeblich
seien Hunderte von Patienten geheilt worden. Auch die heutigen Internetseiten
der Anbieter versprechen Heilungen auch bei fortgeschrittenen Tumoren und wecken
hohe Hoffnungen bei den Betroffenen.
Aufgrund der zahlreichen Berichte hat sich das nationale Krebsinstitut der
USA, das auch heute noch komplementären und alternativen Krebstherapien eher
offen gegenüber steht, bemüht Fakten zu sammeln. Bei einer geschätzten
Patientenzahl von 70.000 wurden von allen aufgerufenen Ärzten insgesamt 93
Patientenberichte eingereicht. 26 hiervon wiesen eine so unzureichende
Dokumentation auf, dass eine Auswertung nicht möglich war. Bei den übrigen
Patienten waren bei 6 Verbesserungen der Krankheitssituation beschrieben worden.
Eine unabhängige Datenauswertung war jedoch bis heute nicht möglich.
Wissenschaftliche Studien für den Wirkstoff liegen auch heute noch nicht
vor.
Der Versuch, in Tierexperimenten die Wirkungen mit Laetrile nachzuvollziehen,
ergab eben-falls bisher keinen Hinweis auf eine Wirkung gegen den Tumor.
Als Inhaltsstoff der Bittermandel ist Amygdalin als giftig einzustufen.
Angaben zu Dosierungen und möglichen Nebenwirkungen schwanken allerdings in der
Literatur stark. Berichte beschreiben bei Patienten Zeichen von schweren Nerven-
und Gehirnschädigungen schädigungen und Krampfanfälle des Gehirns, auch
Todesfälle wurden beschrieben.
Zusammenfassend ist aufgrund möglicher schwerer Nebenwirkungen vor dem
Einsatz von „Vitamin B17“ zu warnen. Laetrile ist kein Vitamin, kein für den
Körper gesunden Stoff, eine Wirksamkeit gegen Krebs ist nicht belegt. Auf keinen
Fall kann eine Laetrile-Therapie eine erforderliche Krebstherapie ersetzen.
Patienten, die eine komplementäre Unterstützung suchen, sollten sich für die
bewährten und erwiesenermaßen ungefährlichen Möglichkeiten entscheiden.
Für eine individuelle ausführliche Beratung können Sie sich gerne mit uns in
Verbindung setzen und einen Termin in der Ambulanz vereinbaren.
V 01/18.12.06